GANDERKESEE/DELMENHORST - Im Delmenhorster Gymnasium an der Willmsstraße war Rudolf
Boehm so etwas wie eine Institution. Generationen haben bei ihm den Satz des Pythagoras gelernt oder etwas über die Länder der Erde gehört. Dass viele „seiner“ Schüler ihn dabei auch als Mensch schätzen lernten, wurde am Sonnabend deutlich: Im Wohnpark am Fuchsberg feierte Boehm seinen 102. Geburtstag – und begrüßte dazu auch eine ganze Reihe von „Ehemaligen“.
Lehrer (Mathematik, Physik, Erdkunde) sei er sehr gern gewesen, sagte Boehm. Auch sein Vater war bereits Studienrat – und zwar in Hamburg, wo das „Geburtstagskind“ am 11. Juli 1907 das Licht der Welt erblickte. Weil es nach seinem Studium aussichtslos gewesen sei, sich um eine Stelle zu bemühen, ging Boehm zur Wehrmacht und bekam Mitte der 1930er Jahre eine Anstellung an der Heeresfachschule in Eutin. Später wechselte er nach Delmenhorst.
Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft unterrichtete er ab 1949 zunächst an einer Delmenhorster Mittelschule. Ein Jahr später wechselte
Boehm an die Willmsstraße, wo er bis zur Pensionierung (1972) tätig war.
Freilich: Als wenige Jahre später in Ganderkesee Mathematik-Lehrer fehlten, unterbrach Boehm seinen Ruhestand und half Am Steinacker aus. „Er hat seine Pension wirklich verdient“, befand denn auch Hans Siedenburg, der 1957 bei Boehm das Abitur „gebaut“ hatte und jetzt zum Gratulieren gekommen war. Wie manch andere ehemalige Schüler hat auch Siedenburg die Kontakte zu Boehm nie abreißen lassen.
In den Wohnpark am Fuchsberg war Boehm im vorigen Jahr gezogen, hier ist er der älteste Bewohner. Er sei ein Galan der alten Schule, bescheinigte Heimleiterin Astrid Wolters. „Sehr charmant, sehr mobil“ und auch in Fragen der Politik immer auf dem Laufenden.
Zu den Gratulanten zählte mit Hermann Röben auch ein Vertreter der Stadt Delmenhorst. Der Vorsitzende des Senioren-Beirats überreichte eine Urkunde von Ministerpräsident Christian Wulff – und eine Orchidee aus der Delmestadt.
