Ganderkesee - Bislang beschränkt sich der Einsatz neuer Medien in Schulen vielerorts auf das, was an (häufig veralteter) Hardware in den Computerräumen zu finden ist, und auf digitale Tafeln in den Klassenräumen. Die Gemeinde Ganderkesee als Trägerin von sechs Grundschulen und zweier Oberschulen will die Digitalisierung jetzt entschieden vorantreiben: In dieser Woche hat ein Treffen zwischen Vertretern der Verwaltung und der Schulen stattgefunden, in dem der Fahrplan abgesteckt wurde.
Digitalpakt im Rücken
Zusätzlichen Schub verleihen dürfte dem Vorhaben der Digitalpakt, den die Bundesregierung am Mittwoch auf den Weg gebracht hat. Fünf Milliarden Euro stellt der Bund innerhalb von fünf Jahren zur Verfügung, damit die Länder ihre Schulen digital für die Zukunft rüsten können. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne sicherte am Donnerstag jeder der 3000 niedersächsischen Schulen einen Sockelbetrag von 30 000 Euro zu.
Hinter den Mitgliedern der „Arbeitsgruppe Medienentwicklung“ des Ganderkeseer Schulverbunds liegen laut Gaby Goetz, Rektorin der Grundschule Schierbrok und Leiterin der Arbeitsgruppe, arbeitsreiche eineinhalb Jahre. Unter anderem habe man sich an einer Schule in Flensburg angesehen, wie der Schritt in eine digitale Zukunft gelingen kann. „Wir können aus Fehlern von anderen nur lernen“, ist sie überzeugt. Auch die Erfahrungen aus Schleswig-Holstein hat die Arbeitsgruppe in einen Fünf-Jahres-Plan einfließen lassen, den sie nun der Gemeindeverwaltung vorgestellt hat.
Verlässliche Standards
„Unser Medienentwicklungskonzept ist so angenommen worden, wie wir es uns vorgestellt haben“, freut sich die Schulleiterin. Die Vertreter der Gemeinde hätten sich sehr offen gezeigt, „das ist alles andere als selbstverständlich“. Eines der erklärten Ziele des Konzepts besteht darin, in puncto Digitalisierung schulübergreifende Standards festzulegen. So sollten sich die Oberschulen künftig darauf verlassen können, dass jeder Schüler, egal welche Grundschule er besucht hat, die gleichen Kompetenzen mitbringe – etwa die, auf einer Tastatur schreiben zu können.
Mehr Qualifizierung
Bislang, so räumt Gaby Goetz ein, sei der Grad dessen, wie intensiv digitale Medien in den Unterricht eingebunden werden, noch stark von der individuellen Qualifikation und dem persönlichen Interesse der Lehrkräfte abhängig. Das soll nun anders werden: Sämtliche Lehrkräfte sollen für die Arbeit mit neuen Medien speziell qualifiziert werden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will der Schulverbund die Standards, die jedem Schüler vermittelt werden sollen, definieren.
Auch bei der technischen Ausstattung der Schulen geht es mit großen Schritten voran: Innerhalb der nächsten fünf Jahre werde für jede Grund- und Oberschule in jedem Schuljahr ein Klassensatz iPads angeschafft, berichtet Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Zudem werde daran gearbeitet, dass jede Schule flächendeckend mit kabellosem Internetzugang ausgestattet wird. Für die Hälfte der acht Schulen ist dies laut Gruhn bereits erreicht, für den Rest erfolge der Anschluss oder der Ausbau des bestehenden W-LAN kurzfristig, teils im Zuge von Umbauarbeiten.
Interaktive Bildschirme
Gaby Goetz freut sich, dass zugleich alle Schulen mit dem Schulserver „IServ“ ausgestattet werden. Auch so genannte Active Panels, große interaktive Flachbildschirme, sollen nach und nach Einzug halten. Sie würden allerdings vorerst ausschließlich in den Lehrerzimmern bei Dienstbesprechungen und in Konferenzen erprobt, so die Sprecherin der Arbeitsgruppe.
Der Tatsache, dass all das eine Menge Geld kostet, trägt die Gemeinde mit ihrem Haushaltsplan Rechnung: Mit 100 000 Euro fallen die für die Digitalisierung der Schulen eingestellten Mittel für 2019 viermal so hoch aus wie bisher. Zum weiteren Zeitplan sagt Gruhn: „Wir gehen davon aus, dass im zweiten Quartal die Richtlinie steht und wir wissen, wie viel an Fördergeldern fließt.“ Danach könnten Ausschreibungen erfolgen.
