GANDERKESEE/ELMELOH - Ein Antrag der Grünen-Landtagsfraktion lässt in der WichernSchule die Alarmsirenen schrillen. Denn: Die Grünen wollen die Förderschulen mit den Schwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung in die Regelschulen integrieren. Das wäre das „Aus“ für die Schule auf dem Wichernstiftgelände – und würde Regelschulen vor eine „nicht leistbare“ Aufgabe stellen, warnt Margit Meyer-Folkerts, Leiterin der Wichern-Schule. Am Freitag versuchte sie MdL Ansgar Focke (CDU) zu zeigen, warum.
Wegen des Antrages der Grünen hatte Margit Meyer-Folkerts alle Fraktionen des Landtages eingeladen. Focke sagte, der Antrag sei „noch nicht entscheidungsreif“. Wer indes die Grünen-Forderung nach Integration zurückweise, müsse sich über eine Folge klar sein: „Man wird als herzlos dargestellt.“
„Mehr krassere Fälle“
Vor Ort schilderte Meyer-Folkerts, worum es gehe: In Förderschulen mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung würden Kinder und Jugendliche unterrichtet, „die keine Grenzen akzeptieren können“, auch Schüler mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder Psychiatrieerfahrung. Teils handele es sich um vernachlässigte Kinder, ergänzte Fachlehrer Reinhard Blank: „Manche Eltern kennen die Fernbedienung besser als ihre eigenen Kinder.“ Die Zahl der Betroffenen nehme zu, auch gebe es „mehr krassere Fälle“.
In kleinen Klassen („sechs bis neun Schüler“) werde unterrichtet. Pro Jahr könnten etwa 15 Prozent der Schüler zurück zu Regelschulen, aber auch vor Ort könne der Schulabschluss absolviert werden.
Der Grünen-Antrag mit dem Ziel der Integration „hört sich theoretisch wunderbar an“, meinte Blank – „aber in der Praxis muss man mit sehr, sehr vielen Nachteilen rechnen“. So schilderte die Schulleiterin eine Situation, bei dem ein Schüler ausgerastet und auf andere zugegangen sei. „Sieben Leute“ hätten auf ihm gesessen, um ihn zu bändigen und zu verhindern, dass er sich selbst verletzte. Später habe sich der Schüler ans Geschehen nicht erinnern können. Meyer-Folkerts: Das sei „Alltag“.
Mehr Besucher avisiert
Focke sagte, der Besuch in der Schule „hat mich beeindruckt“. Er sei überzeugt, das der Grünen-Antrag von der CDU/FDP-Gruppe „so nicht angenommen“ werde. Wenn Kinder mit emotionalen Störungen und Hunderte anderer Kinder auf dem Pausenhof zusammenträfen, würden Eltern auch nach dem Schutz ihrer Kinder fragen. Focke will versuchen, „unsere Kultusleute“ für einen Besuch in Elmeloh zu gewinnen.
