Ganderkesee - Kurz bevor der Schulbus kommt, wendet eine Mutter ihren Pkw noch mitten auf der Straße, dahinter warten zwei weitere, die einen Parkplatz suchen. Zwei andere Autos biegen in die Arthur-Fitger-Straße ab und bleiben im Einmündungsbereich stehen, kurz darauf kommt ein dritter Wagen dazu und wartet auf der Fahrbahn. Dann trifft der Bus ein, schlängelt sich vorbei zwischen im Halteverbot stehenden Fahrzeugen und entgegenkommenden Autos, deren Fahrer auch nur kurz einen Platz zum Halten suchen . . .
„Das geht hier fast jeden Mittag so“, sagt Daniela Beecken mit Blick auf das Verkehrschaos vor der Grundschule Dürerstraße. Die Vorsitzende des Schulelternrates steht mit ihren Stellvertreterinnen Swenja Scherschanski und Jessica Unger sowie Schulleiter Frank von der Aa an diesem Dienstagmittag auf dem Fußweg gegenüber vom Schulgebäude und beobachtet kopfschüttelnd, wie sich Mütter oder Väter mit ihren Fahrzeugen einen Weg bahnen zwischen all den anderen „Eltern-Taxis“, den Schulbussen und den Kindern, die sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Weg nach Hause machen.
Bisher nichts passiert
„Wenigstens fahren wegen dieser chaotischen Situation alle sehr vorsichtig“, bemerkt Frank von der Aa und fügt noch hinzu: „Wir können froh sein, dass bisher nichts passiert ist.“ An ernsthafte Unfälle vor der Grundschule können sich Schulleiter und Elternvertreterinnen nicht erinnern, doch reißt ihnen langsam der Geduldsfaden. „In diesem Winter war es wirklich sehr auffällig“, sagt von der Aa zum Problem der „Eltern-Taxis“. „Auch wenn 90 Prozent der Eltern sich richtig verhalten, bleiben zehn Prozent, die die Regeln überschreiten.“ Und zehn Prozent ergeben bei 280 Schülern Mittag für Mittag ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko.
Dabei wird es Kindern und Eltern schon leicht gemacht an der Dürerstraße: Seit Jahren existiert der „Schulexpress“, ein gut ausgeschildertes Netz aus Treffpunkten, von wo aus die Schülerinnen und Schüler gemeinsam zu Fuß die letzten Meter zur Schule gehen. Dort könnten auch „Eltern-Taxis“ halten und die Kinder absetzen. Daniela Beecken verweist zudem auf den Hintereingang der Grundschule, der vom Habbrügger Weg aus schnell zu erreichen ist. „Dort sind Haltebuchten“, sagt sie, „da können die Kinder bequem und sicher aus dem Auto steigen.“
Swenja Scherschanski weist zudem auf die Vorteile hin, wenn Kinder den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen: „Sie lernen den Verkehr und seine Regeln viel besser kennen, sie sind länger an der frischen Luft und haben mehr Kommunikation miteinander.“
Oft kein Verständnis
Elternvertreter sind einmal pro Woche vor der Schule im Einsatz, eigentlich für den sogenannten „Warnwesten-Check“ im Zuge der Schulexpress-Aktion. Dabei sprechen sie immer mal wieder Mütter oder Väter an, die ihre Kinder mit dem Auto bringen. „Viele zeigen kein Verständnis“, hat Daniela Beecken festgestellt, „oft kriegen wir sogar eine patzige Antwort zu hören.“ Auch das trägt dazu bei, dass Schulelternrat und Schulleitung mit ihrer Langmut so langsam am Ende sind.
