Ganderkesee - Bundesweit ist bis 2025 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter anvisiert – die Angaben des Bildungs- und Familienministeriums bleiben aber noch recht vage. Mit diesem Vorhaben wollen die Ministerien zur Entlastung von Familien beitragen und den sozialen Ausgleich fördern. Dafür benötigen die Kommunen Ganztagsschulen oder Horte. Deutschlandweit fehlen laut einer Studie bis 2025 aber bis zu 665 000 Plätze.
Gemeinde setzt auf Horte
Bislang ist noch keine Grundschule in der Gemeinde Ganderkesee für den ganztätigen Betrieb ausgelegt. In den sechs Grundschulen werden aktuell 1100 Kinder betreut. Alle Schulen sind verlässlich, das heißt, ein Aufenthalt der Kinder von fünf Zeitstunden ist garantiert. Um eine Nachmittagsbetreuung zu gewährleisten, können zurzeit 180 Schulkinder in vier Horten betreut werden. Die Horte befinden sich in Ganderkesee, Heide, Schierbrok und Bookholzberg. „In diesem Bereich haben wir in den vergangenen Jahren erhebliche Summen investiert und viel bewegt“, teilte Bürgermeisterin Alice Gerken mit. Ein weiterer Hort ist nach Angaben der Gemeinde derzeit in Planung. Um den Ansprüchen der Familien gerecht zu werden, werden momentan veränderte Öffnungszeiten der Horte geprüft.
Nicht alle Kinder müssen Ganztagsschulen in Anspruch nehmen, da sie auch zu Hause oder von Freunden und Familienmitgliedern betreut werden können. Experten weisen darauf hin, dass Ganztagsschulen jedoch nicht nur der familiären Entlastung dienen, sondern auch der Förderung leistungsschwächerer Kinder.
Bedarf laut Studie größer
Eine vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführte Studie zeigt, dass zwischen Betreuungswunsch und derzeitigem Angebot eine große Kluft herrscht. Die Studie erfasst durch Elternbefragungen den Bedarf für Ganztagsangebote. In Niedersachsen gaben 57 bis 67 Prozent der Eltern an, dass sie ihre Kinder gerne in einer ganztätigen Einrichtung betreuen lassen würden. Tatsächlich sind derzeit laut Studie aber nur 45 Prozent der Kinder in Ganztagsbetreuung. Demzufolge würden zwischen 34 000 und über 62 000 Plätze fehlen.
Aufholbedarf in Gemeinde
Die Differenz zwischen Betreuungswunsch und Realität muss von den Kommunen ausgeglichen werden. Überträgt man den Bedarf Niedersachsens auf Ganderkesee, so wären von den 1100 Grundschulkindern 627 bis 737 Kinder in einer ganztäglichen Betreuung unterzubringen. Derzeit stehen für 180 Schulkinder Betreuungsplätze zur Verfügung. Somit sind aktuell gut 16 Prozent in Ganderkesee in einer Ganztagsbetreuung untergebracht. Beim Ausbau der Ganztagsbetreuung wird die Gemeinde weniger auf ganztätige Grundschulen als auf Horte setzten und sich bei diesen breiter aufstellen.
Kommune verlangt Hilfe
Bürgermeisterin Gerken hat Bedenken wegen der Finanzierbarkeit des Ausbaus der Ganztagsbetreuung. Zusätzlich weist sie darauf hin, dass es in Zukunft kaum möglich sein werde, weiteres Personal für neue Einrichtungen zu finden: „Ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wird nicht alle Probleme lösen, dafür aber neue schaffen.“ Ähnliches befürchtet auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund: die vielen zu schaffenden Plätze seien nur ein Problem. Personalmangel und die Schwierigkeit, passende Räumlichkeiten zu finden, kämen hinzu.
„Wenn der Rechtsanspruch wirklich kommt, dann müssen Bund und Länder die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen“, sagte Alice Gerken. „Es darf nicht sein, dass am Ende das meiste an den Städten und Gemeinden hängenbleibt.“
