GANDERKESEE - Der siebenjährige Timo versinkt entspannt in einem Berg von Wolldecken und ihm fallen immer wieder die Augen zu, während um ihn herum eine Geräuschkulisse herrscht wie auf einem Großstadtbahnhof. Zehn kleine Hände bearbeiten mehr oder weniger sanft Timos Kopf und Schultern, denn der Junge aus Hude sitzt auf einem alten Sessel des Jugendzentrums „Trend“, der vorübergehend zur Massageliege umfunktioniert wurde.

Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus fast dem gesamten Landkreis Oldenburg werden während der Herbstferien von Thea Havemann und drei weiteren Kräften im „Trend“ betreut. Es seien vor allem Alleinerziehende und Doppelverdiener, die das Angebot des in Brettorf ansässigen Europa-Zentrums Nordwest e.V. nutzen, so erklärt die Leiterin der Ganderkeseer Kinderferienbetreuung. „Wer bekommt schon so viel Urlaub, wie die Kinder Ferien haben?“

Auch die Eltern von Timo und seinen beiden Schwestern Svenja (10) und Elena (9) sind berufstätig. „Wir könnten notfalls auch alleine zu Hause bleiben“, meint Svenja, „aber unseren Eltern ist es lieber, wenn wir hier sind.“ Mit 25 Kindern habe die Ferienbetreuung derzeit ihre Kapazitätsgrenze erreicht, so Thea Havemann.

Jeder Ferientag im „Trend“ beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, das jedes Kind von zu Hause mitbringt. Im Anschluss kann getobt, gebastelt, gemalt oder gespielt werden – das Programm sei relativ offen, erklärt Thea Havemann. „Es gibt zwar einige wenige Regeln, aber die Kinder sollen schon das tun können, wozu sie Lust haben – schließlich haben sie Ferien.“ Neben den täglichen wechselnden Aktionen dürften alle Spielgeräte und Brettspiele des „Trend“ genutzt werden. Nur eine Bedingung stellt die Leiterin der Kinderbetreuung an „ihre“ Kinder: „Keine elektronischen Spiele!“

Gameboy, Playstation und PC-Spiele vermisst niemand. Die zwölfjährige Lisa aus Schierbrok nimmt seit vier Jahren regelmäßig an der Ferienbetreuung teil – obwohl sie inzwischen problemslos allein zu Hause bleiben könnte – und schätzt an dem Angebot besonders den Kontakt zu anderen Kindern.

Der achtjährigen Melissa geht es ähnlich: „Ich finde es schön, dass ich hier Freunde immer wiedertreffe.“ Die Drittklässlerin wird jeden Tag von Fahrer und Betreuer Stephan Knoll aus Wildeshausen abgeholt – ein Angebot, das der Veranstalter Eltern macht, die ihre Kinder nicht selbst bringen und abholen können. Melissa hat ihre Ferien schon oft im „Trend“ verbracht und kommt immer gerne wieder. Die Bastelaktionen erfüllen für sie einen doppelten Nutzen: „Sie machen Spaß und ich kann gleich ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater basteln.“

Das Betreuungsangebot kommt bei den Kindern an, viele nehmen regelmäßig teil. Ein ehemaliges Ferienkind sei jetzt sogar als Praktikant Mitglied des Mitarbeiterteams, freut sich Thea Havemann. Für die liebevolle Betreuung durch „Thea“ und ihr Team bedanken sich die Kinder auf ganz besondere Weise: zum Beispiel in Form einer Nackenmassage – im „Massagesessel“und unter einem Berg von Wolldecken vergraben.