GANDERKESEE - Das gemeinsame Essen ist vielen Schülern fremd. Für einige Familien ist der Mensabesuch ein Finanzproblem.
Von Christian Bartsch
GANDERKESEE - Pünktlich gegen 13 Uhr erreicht das Tellerklappern seinen Höhepunkt: „Das ist die Zeit, wo hier in der Schulmensa der größte Ansturm ist“, berichtet Stefan Ploch, Förderschulkonrektor an der Schule am Habbrügger Weg. Acht Klassen umfasst das Ganztagsschulangebot seiner Einrichtung und für alle Schüler ist das gemeinsame Mittagessen im Klassenverband der Fixpunkt des Unterrichtstages. „Wir glauben einfach, dass Ganztagsschule nur funktionieren kann, wenn das Essen gut ist“, sagt Ploch. „Wer den ganzen Tag lernen will, muss einfach etwas zu sich nehmen.“Für viele Schüler sei ein Mittagessen in der Gruppe jedoch ein „neues Erlebnis, dass sie von zu Hause kaum kennen“. Die Klassenlehrer nehmen deshalb ebenfalls am Mensaessen teil, üben mit den Schülern Verhaltensweisen und Tischmanieren ein und „kommen in der ruhigen Atmosphäre des neuen Mensagebäudes mit den Schülern über Ereignisse des Vormittages ins Gespräch“.
Immer wieder werden die Lehrer jedoch auf Schüler aufmerksam, die nicht am Mensaessen teilnehmen können. „Manchen Eltern fehlt einfach das Geld, um ihrem Kind etwas fürs Schulessen zu geben“, berichtet Ploch. In einigen Fällen sei jedoch auch eine falsche Prioritätensetzung zu vermuten: „Da wird dann Geld vorrangig für andere Dinge ausgegeben.“
Zudem komme es immer wieder vor, dass Eltern ihr Kind zwar zum Essen anmeldeten, hinterher aber nicht bezahlten. „Dann führen wir Gespräche, telefonieren, vereinbaren Ratenzahlung – alles Dinge, die eigentlich nicht unsere Aufgabe sind“, erläutert Ploch.
Das Problem sei jedoch keineswegs neu, nur falle es seit Einführung der Ganztagsschule auf: „Früher gingen die Schüler um 13 Uhr nach Hause, da hat es keiner so richtig gemerkt, wenn sie nicht oder nur mangelhaft verpflegt waren.“ Mit verschiedenen Maßnahmen hat die Schule reagiert: Zunächst wurde ermöglicht, dass sich Schüler Essen von zu Hause mitbringen und in Mikrowellengeräten aufwärmen. Die Preise wurden gestaffelt (1,50 bis 3 Euro), so dass in der Mensa auch für geringes Geld gegessen werden kann.
„Es kommt auch vor, dass externe Spender, die um das Problem wissen, ihr Geld ausdrücklich zur Förderung der betreffenden Schüler eingesetzt sehen möchten“, schildert Ploch, „und wir beobachten immer wieder, dass Schüler sich gegenseitig helfen und ihr Essen einfach teilen“.
Ein weiterer pragmatischer Schritt: Der Hauswirtschaftsunterricht, bei dem hinterher gemeinsam gegessen wird, findet in der Mittagszeit statt.
