Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Ausbildung Wie junge Menschen die Kurve kriegen

Ganderkesee/Hude - Sein Hauptschulabschluss war nicht der beste, er hatte schon mit Anfang 20 als junger Vater eine Familie zu ernähren und in seinem Ausbildungsberuf als Maler und Lackierer konnte er nach einem Unfall nicht weiterarbeiten: Selver Maljoku stand vor einer ungewissen Zukunft, als ihn das Jobcenter an die GSM Training & Integration GmbH in Ganderkesee vermittelte. Heute hat der junge Huder eine klare Perspektive: Im kommenden Jahr will er seine Gesellenprüfung als Fotograf ablegen, sich danach in dem Beruf selbstständig machen und andere junge Leute ausbilden – zu verdanken hat der 25-Jährige das neben seinem eigenen Ehrgeiz dem GSM-Projekt „come in“ und seinem Ausbildungsbetrieb, dem Huder Din21-Fotostudio.

Für Dirk Jürgensen und seine Kollegin Christine Hülsemeyer vom Ganderkeseer Büro des bundesweit tätigen Bildungsdienstleisters GSM ist Selver Maljoku das Paradebeispiel des schwer vermittelbaren Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, der es mit ihrer Begleitung packt. „Wenn wir jemanden in eine Ausbildung vermitteln, ist das schon ein großer Erfolg“, sagt Jürgensen, „aber wenn er dann noch durchhält und einen Abschluss macht, hat er die Königsdisziplin geschafft.“

Erstmal zuhören

Seit drei Jahren bietet GSM in Ganderkesee mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Oldenburg das Projekt „come in“ an. Hier finden junge Menschen mit schwierigen Biografien eine Anlaufstelle, wenn die Jobcenter im Landkreis ihnen nicht mehr weiterhelfen können. „Die Jobcenter schicken die Leute zu uns und wir hören ihnen erstmal zu“, erklärt Jürgensen. Der erste Kontakt findet meist beim regelmäßigen Projekt-Frühstück in den Ganderkeseer GSM-Räumen im Industriepark statt. Dort landete auch Selver Maljoku vor gut drei Jahren. „Ganz nebenbei erzählte er, dass er sich von Kindesbeinen an mit Fotografie und Videotechnik beschäftigt hatte“, erinnert sich Dirk Jürgensen. Die Eltern des in Oldenburg geboren Huders, die ursprünglich aus dem Kosovo stammen, sind selber im Fotografen-Gewerbe tätig, auch der Sohn konnte bereits Schulungen und Zertifikate nachweisen.

Praktikum überzeugt

„Wir konnten es kaum glauben“, so Christine Hülsemeyer. GSM organisierte für den jungen Mann ein Praktikum bei Din21 in Hude und dabei überzeugte er die Firmeninhaber Jan Majchrzak und Robert Brode derart, dass sie ihm eine Fotografen-Ausbildung mit Schwerpunkt Produkt- und Werbefotografie anboten – darauf ist das vor zwölf Jahren in Wardenburg gegründete und seit 2010 in Hude ansässige Fotostudio spezialisiert. Mittlerweile ist ihr Auszubildender im dritten Lehrjahr und bereitet sich auf die Gesellenprüfung im kommenden Frühjahr vor.

50 Prozent schaffen es

Selver Maljoku gehört damit zu den gut 50 Prozent der bisher 85 Teilnehmer, die mit dem Projekt „come in“ erstmal die Kurve gekriegt haben. Dabei muss es sich nicht um eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz handeln, die GSM-Betreuer verhelfen ebenso zur Wiederaufnahme einer Schullaufbahn oder einem Freiwilligen Sozialen Jahr. In manchen Fällen ist auch eine Therapie zunächst der richtige Weg. Die GSM GmbH, die seit acht Jahren in Ganderkesee angesiedelt ist, kann mittlerweile auf ein großes lokales Netzwerk aus ortsansässigen Unternehmen und Einrichtungen zurückgreifen.

Ob die jungen Leute am Ende erfolgreich sind, bekommen Dirk Jürgensen und Christine Hülsemeyer nicht immer mit – wenn sie ihre Klienten weitervermittelt haben, endet ihre Aufgabe. „Viele scheitern an den Anforderungen“, wissen die GSM-Begleiter. Umso mehr freuen sie sich, dass der Kontakt zu Selver Maljoku und dem Fotostudio Din21 bis jetzt Bestand hat – und sie den besonderen Erfolg dieses Vermittlungsfalls weiter verfolgen können. „So überraschend und schön kann unsere Arbeit sein“, freuen sich die beiden.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

BALLSPORT IN OSTFRIESLAND Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden