Ganderkesee - Die Begeisterung ist Justin anzusehen: Lachend tritt der Jugendliche in die Pedale seines Dreirades, dreht eine Runde durch den Kreisel, fährt in die Einbahnstraße, lehnt sich an der Ampel über den Lenker und betätigt den Druckknopf, das Licht springt sofort von Rot auf Grün – weiter geht die Fahrt.

Justin durfte am Freitagmittag schon mal Probe fahren auf dem Verkehrsübungsplatz der Katenkamp-Schule in Ganderkesee – seine Mitschüler müssen sich noch bis zur kommenden Woche gedulden. „Sie können es kaum noch erwarten“, sagte Anne Fischer, die mit Christina Klotz zusammen die Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung leitet.

Für die Schulleiterinnen sowie die Verantwortlichen der Lebenshilfe als Träger der Katenkamp-Schule hatte das Warten am Freitag ein Ende: Nach rund eineinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit konnte der Verkehrsübungsplatz endlich eingeweiht werden. Zu der kleinen Feier waren Vertreter von Firmen, Vereinen und der Gemeinde eingeladen worden, die das Projekt finanziell, ideell oder mit eigener Tatkraft unterstützt hatten.

„Ein weiterer Baustein in unserem Kampus-Projekt ist fertig“, freute sich Heidelies Iden, Vorsitzende der Lebenshilfe. „Die Umwandlung des Schulhofes in eine Lern- und Erlebniswelt nimmt weitere Formen an.“ Dr. Edith Aschenbrenner, Pädagogische Leiterin bei der Lebenshilfe, dankte den unterstützenden Firmen – Starofit, Meyer Technik, Atlas GmbH, Vereinigte Volksbank – und dem Verein Ganter-Art für ihren Beitrag zur Finanzierung des 25 000 Euro teuren Vorhabens sowie Stefanie Grundmann (GaLa-Bau Kreye) für deren persönlichen Einsatz bei der Anlage des Platzes. „Unglaubliches Engagement“ hätten auch Peter Wildbredt und Michael Kleinert von der Kreisverkehrswacht gezeigt und vor allem auf den letzten Drücker habe der Kommunalservice Nordwest „uns noch kräftig unter die Arme gegriffen.“

Bürgermeisterin Alice Gerken, die Schirmherrin des Projekts ist, hob hervor, dass der Platz künftig auch von Ganderkeseer Grundschulen und Kindertagesstätten genutzt werden solle. Gerade für Schulanfänger sei ein Training dort sinnvoll, damit sie richtiges Verhalten im Verkehr lernen, sagte Michael Kleinert, 2. Vorsitzender der Verkehrswacht im Landkreis Oldenburg. Zugleich finde dabei eine Begegnung mit Katenkamp-Schülern statt.

Auf diesen Aspekt wies ebenso Peter Wildbredt hin: „Vor dem Hintergrund der Inklusion ist dieses Projekt einzigartig in Niedersachsen“, sagte der Verkehrswacht-Geschäftsführer. Und Schulleiterin Anne Fischer sieht durch den Verkehrsübungsplatz eine Chance für jugendliche Katenkamp-Schüler, trotz ihrer Einschränkung einen Führerschein zu erwerben. „Möglich ist das – und es ist auch ein Thema unter den Schülern.“

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)