Ganderkesee/Landkreis - „Ich habe das Gefühl, keine Luft zu bekommen.“ – „Mir wird ganz schlecht, wenn ich an die Schule denke.“ – „Mein Kind ist zweieinhalb Jahre nicht zur Schule gegangen.“ – Mit drastischen Zitaten bereitete Beate Pollak von der Koordinierungsstelle Schulverweigerung des Landkreises am Dienstagabend die rund 40 Zuhörer in der Mensa der Oberschule Ganderkesee auf das Thema des Abends vor: Warum haben Kinder Angst vor der Schule und was kann man dagegen tun?
Zu Gast war mit Prof. Dr. Dietrich Petersen, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus Geestland, ein Experte, der mit vielen Schulverweigerern und deren Familien gearbeitet hat. Er riet dazu, früh therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Kinder nicht zur Schule gehen mögen. Zu bedenken sei, dass der Schulbeginn ein großer Einschnitt im Leben eines Kindes sei, bedingt etwa durch die Trennung vom geschützten Elternhaus und den plötzlichen Leistungsvergleich mit anderen Kindern.
„Jeder Fall ist individuell“, betonte Petersen, der zwischen Schwänzen, Schulangst und Schulphobie unterschied. Letzteres sei ein Fall für die Therapie, nur so könnten die panischen Gefühle, die die betroffenen Kinder beim Gedanken an Schule befielen, reduziert werden. „Je länger ein Kind weg bleibt, desto mehr unrealistische Ängste bauen sich auf.“ Wichtig sei dabei auch eine Stärkung der elterlichen Kompetenz, „damit sie eine realistische Sicht auf ihr Kind entwickeln“.
Nach dem in Teilen sehr fachspezifischen Vortrag hatten die Zuhörer die Gelegenheit, sich bei Institutionen, die im Landkreis mit Schulverweigerern arbeiten, über Hilfsangebote zu informieren.
