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Leseförderung In Ganderkesee Zwischen den Zeilen ein Gespräch finden

Moritz Kalvelage

Ganderkesee - In der Ganderkeseer Gemeindebücherei wurde am Mittwoch nicht gelesen, sondern gefilmt. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, ist ein logischer Schritt, denn die Bücherei vergrößert ihr Angebot immer mehr. „Der Informations- und Medienbereich entwickelt sich rasant, wir als Dienstleister dann natürlich auch“, sagte Bücherei-Leiterin Sigrid Kautzsch.

Daher hat das Team in diesem Jahr auch das Konzept des Sommerleseclubs verändert: Erstmals können Leser in Teams von bis zu fünf Personen antreten und die Nachweise über gelesene Bücher in einem gemeinsamen Leselogbuch sammeln. Eines der Familienteams erstreckt sich sogar über drei Generationen.

Stempel gibt es nicht nur für gelesene Bücher, sondern auch für Hörbücher. Die Bücherei möchte mit dem umgestalteten Programm zeigen, dass Lesen nicht vereinzelt sondern mit anderen Menschen zusammen funktioniert, besonders im gemeinsamen Gespräch über die gelesenen und gehörten Bücher.

Bücherei im Wandel

Einen Schwerpunkt setzt die Bücherei derzeit mit den Bereichen Digitalisierung, Informations- und Lesekompetenz. Weil sich das Angebot am Markt stetig ändert, müsse sich die Bücherei mit diesen Möglichkeiten auseinandersetzen, betonte Sigrid Kautzsch: „Kommt ein neues Medium, müssen wir schauen, ob wir da mitmachen wollen.“ So geht der Präsenzbestand der Musikabteilung mittlerweile zurück, da viele Kunden daheim auf Streaminganbieter zurückgreifen.

Dennoch kann in der Gemeindebücherei weitaus mehr als nur Lesestoff ausgeliehen werden: Auch Brett- und Konsolenspiele, E-Book-Reader, Tonie-Boxen, Filme oder Zeitschriften können ausgeliehen werden. Vielleicht auch ein Grund, weshalb die Einrichtung noch immer gut besucht wird und sogar Zuwächse verzeichnet – „ein bisschen gegen den Trend, aber das zeigt, dass wir gute Arbeit machen“, sagte Kautzsch zufrieden.

Neben der digitalen Entwicklung sei die außerschulische Leseförderung ein „Riesenthema“ für Büchereien. Da die allgemeine Lesekompetenz nach Kautzschs Beobachtungen immer weiter nachlässt, soll das Angebot der Bücherei möglichst niedrigschwellig gestaltet werden, um die Kinder und Jugendlichen zu erreichen, die sonst nicht in eine Bibliothek gehen würden. „Wir sprechen die Kinder direkt an, um so eine gewisse Nachhaltigkeit herzustellen“, sagte Kautzsch, die dafür Jahrgänge in allen Schulen in Ganderkesee bis zur sechsten Klasse besucht. Diese Maßnahmen zur Leseförderung würden auch in Zukunft beibehalten, auch wenn multimediale Angebote zunehmen: „Ich muss lesen können und das wird sich nicht ändern“, so Kautzsch. Dabei kooperiert die Bücherei nicht nur mit den Grundschulen: Ältere Schüler nutzen die Bücherei, um Unterstützung bei der Onlinerecherche zu bekommen.

Über das Buch hinaus

Mit der Neuauflage des Sommerleseclubs habe man sich „an ein neues Konzept herangetastet“, das im nächsten Jahr vielleicht noch digitaler wird, so Kautzsch. Am Mittwoch drehten die Kinder Trailer zu ihrem Lieblingsbuch. Dabei standen sie nicht selbst vor der Kamera, sondern gestalteten abzubildende Materialien für das Video in Handarbeit. Das forderte nicht nur ihre Kreativität, sondern durch den intensiven Austausch in den Gruppe auch die Kommunikationsfähigkeit. Der Austausch mit anderen stehe in Bibliotheken zunehmend im Fokus, sagte Sigrid Kautzsch. „Das Lesen wird dann zu etwas Kommunikativem.“

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