GANDERKESEE/OLDENBURG - „Nicht fürs Leben, sondern für die Schule lernen wir“, soll der römische Philosoph Seneca gesagt haben. Die Kritik am Bildungssystem ist damit so alt wie unsere Zeitrechnung. Und ähnlich weit reichen sicher die Bemühungen von Lehrern zurück, genau das Gegenteil zu beweisen. Unabhängig von Schulform und Schülerjahrgang werden die Bemühungen bis zum heutigen Tag fortgesetzt – und vermutlich wird es auch in Zukunft noch reichlich Versuche geben, den Schülerinnen und Schülern klar zu machen, dass es im Unterricht nicht nur um gute Noten geht, sondern auch um Wissen, das im späteren Leben durchaus eine Rolle spielt.

Zwei Azubis im Unterricht

Vor allem wenn es um Mathematik geht, haben viele Schüler da so ihre Zweifel. In drei 7. Klassen des Gymnasiums Ganderkesee sind diese Zweifel seit Mittwoch deutlich geringer geworden, wenn nicht sogar komplett beseitigt: Arzum Cer-Eissen, die seit November Mathematik am Gymnasium unterrichtet, hatte zum Unterricht zwei Auszubildende der EWE mitgebracht. Thomas Frericks und Eike Brahms, die während ihrer Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik im EWE-Jugenddorf leben, hatten dort im Rahmen einer Mathe-Förderung Kontakt zu Arzum Cer-Eissen bekommen.

Auf dem Lehrplan der Siebtklässler stehen derzeit lineare Gleichungen. Da gilt es, diese Gleichungen nach verschiedenen Variablen aufzulösen. Doch diese schematische Rechenoperation bleibt sehr abstrakt.

Neugier geweckt

Eine Möglichkeit der praktischen Anwendung ist beispielsweise die Berechnung des Durchschnitts einer Stromleitung, die über eine bestimmte Entfernung elektrische Energie ohne großen Spannungsabfall transportieren soll. Dies gehörte zu der Unterrichtseinheit, die die beiden angehenden Elektroniker vorbereitet hatten. Und es gelang ihnen, auch die Neugier am Ohm’schen Gesetz zu wecken, das Spannung, Widerstand und Stromstärke in unmittelbaren Zusammenhang setzt.

Mathe-Lehrerin Cer-Eissen war mit dem Ergebnis des Unterrichtsexperiments sehr zufrieden. Die Klassen hätten sich gut beteiligt und der Praxisbezug der Mathematik sei hinlänglich belegt worden.

Motivation gesteigert

Auch die Direktorin des Gymnasiums, Dr. Renate Richter, lobte den „Motivationsgewinn“. Ähnliche Projekte seien durchaus denkbar. „Aber das muss organisatorisch und inhaltlich passen“ – so wie am Mittwoch.