Ganderkesee - Als das junge Mädchen fertig ist, breitet sich Betroffenheit im Klassenraum der 7 m am Gymnasium Ganderkesee aus. Einige wussten nicht, dass ihre Mitschülerin in der Grundschule unter Mobbing litt – nur weil sie nicht alles essen kann, was ihre Mitschüler gegessen haben. „Auch wenn Mobbing in dieser Klasse kein Thema ist“, sagt Schulsozialarbeiter Björn Knölke, „ist es dennoch wichtig, dass alle Schüler verstehen, was Mobbing mit den Opfern macht.“

Aber nicht nur das steht am Mittwoch beim Präventionstag gegen Mobbing der 7. Klassen des Gymnasiums Ganderkesee im Vordergrund. Zusammen mit Björn Knölke und Klassenlehrer Claudius Brenner erarbeitete beispielsweise die Klasse 7m verschiedene Plakate zu unterschiedlichen Fragen: Warum wird jemand zum Mobber? Wie wird jemand zum Mitmacher? Welche Folgen hat Mobbing für die Opfer? Was kann man als Zeuge gegen Mobbing tun? Sowohl in der Erarbeitung als auch während der Präsentation wurde schnell deutlich, dass viele der Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen mit Mobbing gemacht haben – an der Grundschule.

„Wir schauen am Gymnasium Ganderkesee ganz genau hin und greifen schnell ein“, betont Björn Knölke. Auch deshalb gebe es kaum Fälle von wirklichem, sich über mehrere Wochen oder gar Monate ziehenden Mobbing. „Mobbing funktioniert nur dann, wenn es nicht wahr- und ernstgenommen wird.“ Streitereien gebe es natürlich. „Das ist auch ganz normal“, so der Schulsozialarbeiter. Um aber Mobbing möglichst umfangreich schon im Keim zu ersticken, gibt es regelmäßig Aktionstage zum Thema.

„Ich bin sehr dankbar für den Klassenzusammenhalt“, betont derweil Ben. Der 12-jährige verlor bei einem Unfall einen Teil seines Fingers. Und wurde, wie er selbst sagt, von der ganzen Klassengemeinschaft „aufgefangen und unterstützt“. Und eben auch um solche positiven Gefühle geht es dem Schulsozialarbeiter. „Ich will euch mit dem Gefühl entlassen, dass jeder von euch wertvoll ist“, sagt Knölke, während sich jeder Schüler einen Zettel auf den Rücken klebt. Auf diesen Zettel schreiben die anderen dann all das Positive, was ihnen zu dem jeweiligen Mitschüler einfällt. „Warme Dusche“ nennt Knölke das – und es funktioniert: Viele sind überrascht und freuen sich über die netten Komplimente.