GANDERKESEE - Die Zahl ist drastisch und dennoch überrascht sie kaum: An den sechs Grundschulen der Gemeinde Ganderkesee arbeiten lediglich sieben männliche Lehrkräfte. Dies entspricht einer Männerquote von rund sieben Prozent. Die Gemeinde Ganderkesee liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Schnitt, der 2008 laut Statistischem Jahrbuch bei rund 14 Prozent lag.
Männerfreie Zone
Besonders sichtbar wird der Mangel an männlichen Lehrkräften an der Grundschule Habbrügge. Hier ist das Lehrerzimmer männerfreie Zone, denn alle sechs Lehrkräfte sind weiblich. Für Schulleiterin Christine Büsselmann ist dies kein Idealzustand: „Gerade in den ersten Jahren erleben die Kinder zu Hause, im Kindergarten und in der Schule eine Frauendominanz. Ihnen fehlt dann oft eine männliche Identifikationsfigur.“
Immerhin ein Lehrer unterrichtet an der Grundschule in Heide – zusammen mit 13 Lehrerinnen. Dazu kommt in diesem Schuljahr ein Pädagoge, der von der Realschule für einen Tag pro Woche an die Grundschule abgeordnet wurde. Schulleiterin Ursula Dunker wünscht sich noch mehr Lehrer: „Oft können Männer die Interessen und Neigungen der Jungen teilen. Zudem wachsen immer mehr Kinder bei allein erziehenden Müttern auf. Ihnen fehlt dann einfach ein männliches Gegenüber.“
Geringere Bezahlung
Ursula Dunker sieht zwei Gründe für die Männerknappheit an Grundschulen: Die Arbeit werde gesellschaftlich nicht als Männerberuf anerkannt, und die Bezahlung sei an der Grundschule geringer als an anderen Schulen. Die Besoldungstabelle belegt diese Aussage: Im Vergleich zu Gymnasiallehrern verdienen Grundschullehrer bis zu 500 Euro weniger im Monat.
Dörte Lohrenz, Schulleiterin der Grundschule Bookholzberg, sieht ebenfalls die Bezahlung als einen Grund dafür, dass in Bookholzberg neben 21 Lehrerinnen nur ein Lehrer unterrichtet. Es sei problematisch, dass Kinder oft erst ab der fünften Klasse von männlichen Pädagogen betreut werden, findet Dörte Lohrenz. Männer könnten anders auf Jungen zugehen als Frauen. Ein Umdenken finde nur langsam statt, beobachtet die Schulleiterin: „Mittlerweile wird versucht, Männer an die Grundschulen zu bekommen. Es ist aber ein weiter Weg."
An der Grundschule Dürerstraße gibt es mit Frank von der Aa den einzigen männlichen Schulleiter in der Gemeinde Ganderkesee. Da sich von der Aa jedoch in der Elternzeit befindet, sind an der Dürerstraße derzeit 22 Frauen und nur ein Mann tätig.
An den anderen Grundschulen der Gemeinde sieht es ähnlich aus: Während in Schierbrok zwei männliche und 14 weibliche Lehrkräfte arbeiten, beträgt das Verhältnis an der Grundschule Lange Straße zwei zu 18. „Offensichtlich hat der Beruf unter Männern kein besonders großes Renommee“, vermutet Schulleiterin Rita Wieneke.
