GANDERKESEE - Schöne neue Kommunikations-Welt: Dank Handy sind Kinder und Jugendliche bestens vernetzt, jederzeit erreichbar – und manchmal auch schnell verschuldet. Die technischen Möglichkeiten ihres Gerätes kennen die jungen Menschen binnen kürzester Zeit, die Risiken indes ignorieren viele von ihnen.
„Der Umgang mit dem Handy muss gelernt werden“, meint Ulf Langheim. Und weil der erstens Lehrer am Gymnasium Ganderkesee ist und zweitens den Sozialpädagogen und Jugend-Schuldnerberater Stefan Klöver gut kennt, der ein entsprechendes Projekt der Landesstelle Jugendschutz betreut, sind zumindest die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7e des Gymnasiums jetzt ausgewiesene „Handy-Spezialisten“.
Sechs Stunden Unterricht
Zusammen mit dem Medienpädagogen Jürgen Ermes und dem Diplom-Pädagogen Ulrich Engling besucht Stefan Klöver im Auftrag der Landesstelle Jugendschutz Siebt- und Achtklässler in ganz Niedersachsen, um sie an einem Vormittag in sechs Unterrichtsstunden intensiv mit den Chancen und Risiken der Handy-Nutzung vertraut zu machen. „Gerade in dieser Altersgruppe ist das Thema sehr präsent“, weiß Klöver. Und viele 13- oder 14-Jährige sind auch schon in Kostenfallen getappt, die beim Herunterladen von Klingeltönen und unzähligen anderen Online-Angeboten lauern.
Was bei Kindern, die nicht geschäftsfähig sind, oft noch durch entschiedenen Widerspruch der Eltern oder von Verbraucherschützern zu retten ist, kann sich für viele ältere Handy-Nutzer zu einer stark belastenden Schuldenfalle ausweiten. „Deshalb ist es wichtig, präventiv zu arbeiten, damit diese Kinder nicht in ein paar Jahren bei mir sitzen“, betont der Schuldnerberater Klöver.
Das Besondere am Projekt: Jede Klasse erarbeitet mit Hilfe der drei Pädagogen eine Broschüre, die dann von der Landesstelle gedruckt und von den Schülern anschließend wieder einer 5. oder 6. Klasse der eigenen Schule vorgestellt wird. „Peer-to-Peer“ lautet der englische Fachbegriff für dieses Lehrverfahren.
Dr. Richter lobt Verfahren
Die Projektleiter erreichen so mit einem Schulbesuch zwei Klassen. Und die Projekt-Teilnehmer, sagt Gymnasiums-Direktorin Dr. Renate Richter, „fühlen sich nicht als Belehrte, sondern können hinterher gegenüber den Jüngeren als Experten auftreten.“ Vor allem aber tappen viele von ihnen nicht mehr so leicht in die Handy-Fallen.
