Ganderkesee - Eltern sollen ihre Kinder gewaltfrei erziehen – damit auch die Kinder lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. „Aber Eltern müssen auch wissen, dass ihr Kind sich wehren darf“, betont Oliver Henneke. Mit Worten möglichst, aber wenn das nicht hilft auch mit körperlicher Reaktion – nur ohne anderen dabei weh zu tun.

Wie das geht, bringt Oliver Henneke vom Verein „!Respect" seit Jahren Schülerinnen und Schülern bei – und eben auch den Eltern. „Der Elternabend ist ein ganz wichtiger Baustein unseres Projektes“, sagt Astrid Pape-Westermann, Lehrerin an der Grundschule Lange Straße in Ganderkesee. Sie hat Oliver Henneke 2013 erstmals an die Schule gelotst, um die Kinder im Umgang mit Konfliktsituationen zu schulen. „Nicht weil wir eine Brennpunktschule sind“, so Pape-Westermann, „sondern als reines Präventionsprojekt.“

Und das wirkt nachhaltig. „Wir sehen ja, wie die Kinder das mittragen“, stellt die Lehrerin fest. „Die Viertklässler geben das schon an die neuen Erstklässler weiter.“ Natürlich gebe es auch an der Langen Straße Konflikte zwischen den Schülern – „aber die werden nach den Regeln der Schule ausgetragen“, sagt Astrid Pape-Westermann. Gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis für das Verhalten von Mitschülern werden mit „!Respect“ gefördert und zugleich das Selbstbewusstsein und die soziale Kompetenz jedes einzelnen Kindes gestärkt. Die Erfolge durch die jährliche Wiederholung des Projektes seien klar erkennbar, sagen Pape-Westermann und Schulleiter René Jonker.

Seit der vergangenen Woche ist Oliver Henneke wieder an der Langen Straße im Einsatz. Am Montagabend machte er die Eltern mit seinem Projekt vertraut – und ging dabei nicht viel anders vor als bei den Kindern. Auch die Mütter und Väter wurden zu Rollenspielen gebeten, in denen sie selber Strategien für Konfliktlösungen entwickeln mussten, und hinterher wurde darüber diskutiert.

Henneke weiß um die Herausforderungen, vor denen viele Eltern heutzutage stehen: „Es gibt mehr Alleinerziehende und mehr Berufstätige, es steht weniger Zeit für die Erziehung zur Verfügung.“ Manche Mütter und Väter würden daher erwarten, dass die Schule ihnen Erziehungsaufgaben abnimmt.

„Wir stellen die Eltern vor die Frage: Was kann unser Kind tun, damit ihm die anderen mit Respekt begegnen“, erklärt Henneke. Wesentliche Verhaltensaspekte wie Augenkontakt, Körperhaltung, kräftige Stimme und ruhiges Auftreten sollten den Kindern schon in den Familien vermittelt werden. „Das müssen die Eltern unterstützen“, fordert der Experte.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)