GANDERKESEE - Versierte Techniker hätten es vielleicht erkannt. Ein „Kugellager“ bildeten die Schüler der 8d des Ganderkeseer Gymnasiums am Donnerstag nach – von oben betrachtet. Um Technik ging es allerdings weder den 29 Jugendlichen noch Klassenlehrerin Claudia Quensel. Sondern um Bewegung. Denn: Die 8d war ausgewählt worden, beim Aktionstag „Bewegte Schule – schlaue Köpfe“ mitzumachen.

Worum es dabei geht: Seit eineinhalb Jahren sind Experten-Teams im Auftrag des Kultusministeriums in Niedersachsen unterwegs, um Schulen in Bewegung zu bringen. „Wir denken als Erwachsene: Bewegung ist Kindersache“, schilderte Referent Hermann Städtler, Leiter der Fridtjof-Nansen-Schule Hannover, die Ausgangslage. Aber das sei falsch. „Bewegung ist ein Entwicklungsbeschleuniger.“Sie bringe Menschen dazu, dass es ihnen leicht fällt zu lernen – vom Mutterleib an und bis zum Tod.

Dabei verfolgen Städtler und sein Kollege Karsten Heilmann beileibe nicht nur das Ziel, Frontalunterricht mit ein wenig Sport aufzulockern. Es gehe letztlich darum, Bewegung im Kopf zu erreichen, Lern- und Arbeitstechniken zu lehren, Team- und Kommunikationskompetenzen zu erhöhen.

Spickzettel erwünscht

Hier kommt (unter anderem) das „Kugellager“ ins Spiel. Das Prozedere: Die Achtklässler bildeten mit ihren Stühlen einen Außen- und einen Innenring. Die beiden jeweils „benachbart“ sitzenden Schüler trugen sich dann wechselseitig Kurz-Referate übers Rauchen oder übers Trinken vor – bevor sich die Ringe drehten, neue Paarungen für Kurz-Referate entstanden. Einziges Hilfsmittel: ein Spickzettel mit höchstens zehn Worten, aber beliebig vielen Symbolen.

Diese Methode biete mehrere Vorteile, warben die Gäste. Zum Beispiel werde hier Schriftsprache in Symbole umgewandelt („Transfer-Lernen“), damit das Langzeitgedächtnis „gefüttert“. Auch werde gelernt, sich zu äußern, was für die Noten sehr wichtig sei. Heilmann: „Keiner kann sich raushalten.“

Claudia Quensel stimmte grundsätzlich zu, zeigte aber auch Grenzen auf. So sei das Kugellager eher für Doppelstunden geeignet. Problematisch seien das Überprüfen und damit das Benoten.

Mobiliar „macht krank“

Übrigens: Mit dem Aktionstag wurden auch die „Gelingens-Bedingungen für bewegtes Lernen“ in den Fokus gerückt – wie etwa die Schulorganisation oder die Schule als Lebensraum. Was Letzteren angeht, redete Städtler Tacheles: Im Klassenraum der 8d habe ein Schüler weniger Bewegungsmöglichkeit „als ein Schäferhund haben muss“. Und: Die Arbeitsplätze seien „unergonomisch, krank machend“.