GANDERKESEE - Mit einem amüsanten und sehr persönlichen Programm verabschiedeten die Kinder der Grundschule Dürerstraße ihren Rektor Ernst Lucht. Das Kollegium trug schwarz.
Von Karsten Kolloge
GANDERKESEE - Ernst Lucht konnte es sich gestern bequem machen. Mitten in der Aula hatten Kinder der Grundschule Dürerstraße für ihren Rektor eine Sonnenliege aufgebaut, sie reichten ihm Schlapphut und Saunatuch, stellten einen fruchtigen Drink bereit. Fast wie im Urlaub. Doch der Anlass war ein anderer: Zur Verabschiedung ihres Rektors hatten Schüler und Lehrer ein phantasievolles Programm einstudiert – und da gebührte Ernst Lucht natürlich der „Logenplatz“.Genau so hatte sich der Falkenburger seinen Abschied in die passive Phase der Altersteilzeit auch gewünscht – mit den Kindern und den Kollegen. Ob er sich freue, „immer Sommerferien“ zu haben? „Zu 70 Prozent“, sagte Lucht. Schließlich seien 40 Dienstjahre eine lange Zeit. Aber da sei auch das Gefühl, „dass das noch nicht alles gewesen sein müsste“, räumt er ein. Es falle ihm nicht leicht, „von den Kindern wegzugehen“.
Dabei hatte der gebürtige Braunschweiger, Jahrgang ’44, eigentlich nach dem Abi ganz anderes vor. Betriebswirtschaft wollte er studieren, doch dann entschied er sich fürs Pädagogikstudium. Das habe er nicht bereut: Lehrer zu sein „war ein Job, der zu mir passte.“
Was diesen „Job“ so attraktiv macht? Die Herausforderung sei, Bildungs- und Erziehungsauftrag unter einen Hut zu bekommen. Noch recht genau erinnert er sich an die Worte seines Pädagogikprofessors: Im Unterricht gehe es nicht nur um Bildung in Form von Wissensvermehrung. „Kinder müssen sich erinnern können über das Wissen hinaus, was man ihnen vorgelebt hat.“
Luchts erste Stelle war 1967 die eines „Schulleiters“ – nämlich als einziger Lehrer an der einklassigen Volksschule in Holzkamp. „Erst hab’ ich gedacht: Wie kommst du hier wieder raus?“, erinnerte er sich. Doch schnell sollte er die persönliche Atmosphäre schätzen lernen.
„Prägend“ sei für ihn später auch eine andere Zeit gewesen: „die Anfangsphase der OS“. „Diese Aufbruchstimmung, eine neue Schulform zu kreieren“, und das in einem Kollegium, „das spitze war“, das sei packend gewesen. Er bedauere, dass es die OS nicht mehr gibt.
Und was kommt jetzt für den Lehrer Ernst Lucht? „Ich lasse das auf mich zukommen.“ Vielleicht werde er bei der Schwimmgruppe der Schule auftauchen, „als zweite Aufsicht“. Und dann seien da noch zwei weitere Wünsche: ein längerer Aufenthalt im begeisternden Irland und ein „Dreitausender“ beim Bergwandern. Die Ruhe auf der Spitze zu erleben, das sei „ein wunderschönes Gefühl“.
