Ganderkesee - Keine zwei Jahre ist es her, da wurden Whiteboards noch als die Revolution im digitalen Klassenzimmer gefeiert. Heute sind diese interaktiven „Tafeln“ schon fast wieder veraltet: „Das klassische Whiteboard ist nicht die technische Zukunft in der Schule“, ist Ingo Voss überzeugt. Der Rektor der Oberschule Ganderkesee setzt stattdessen auf Active-Panels: Das sind große multifunktionale Fernsehbildschirme, auf die unter anderem die Schüler direkt zugreifen oder eigene Daten übertragen können.
Die Digitalisierung des Unterrichts ist eine Riesenherausforderung für Schulen, Behörden und Politik – auch weil die technischen Möglichkeiten sich so rasant weiterentwickeln. Da könne es passieren, dass nach einem Jahr der Nutzung erkannt werde: „Dieses Medium ist es nicht“, verdeutlicht Sieglinde Jahn, als Fachdienstleiterin im Rathaus für die Schulen zuständig, die Problematik. Digitalisierung heißt eben auch „Try and Error“ oder auf gut Deutsch: Aus Erfahrung wird man klug. Nur: Jede Erfahrung muss teuer bezahlt werden.
Geld aus dem Digitalpakt
Wenigstens wird es an den finanziellen Möglichkeiten in den nächsten Jahren nicht hapern, das stellt der Digitalpakt von Bund und Ländern sicher. Von den mehr als 500 Millionen Euro, die in Niedersachsen bis 2024 für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung stehen, erwartet die Gemeinde laut Jahn etwa eine Million. Dazu will sie einen erklecklichen Betrag aus eigener Kasse beisteuern. Schon im Haushalt 2019 stellt sie 80 000 Euro zur Verfügung, um die technische Ausstattung der Schulen vorzubereiten.
Konzept in der Schublade
Die Gemeinde fühle sich gut gerüstet für die Digitalisierung, sagte Jahn am Donnerstag bei einem Informationsgespräch mit Ganderkeseer FDP-Politikern in der Oberschule am Steinacker. Das Medienkonzept des Schulverbundes liege fertig in der Schublade, Fördermittel könnten beantragt werden, sobald das Land endgültig die Richtlinien festgelegt habe. „Wir möchten, dass noch in diesem Jahr die ersten Geräte in den Schulen sind“, betonte die Fachdienstleiterin.
Von 2020 bis 2024 rechnet die Gemeinde dann mit jährlich rund 200 000 Euro vom Land – dazu kommen die eigenen Anteile. Zunächst sollen die sechs Grundschulen und die beiden Oberschulen in Ganderkesee und Bookholzberg jeweils einen Grundbetrag von 30 000 Euro bekommen, dazu noch eine Aufstockung je nach der Schülerzahl. Die Gemeinde müsse die Mittel auf alle Schulen gerecht verteilen, forderte Marion Daniel, FDP-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat.
Bestand wird erfasst
Nach den Sommerferien sollten die Schulen ihren jeweiligen Bedarf anmelden, sagte Sieglinde Jahn. Bis dahin wolle die Verwaltung eine Bestandsaufnahme vornehmen, was welche Schule noch zur technischen Grundausstattung benötige. Alle sollten über das schulinterne Serversystem i-Serve und freies W-Lan verfügen. Noch nicht klar sei allerdings, so Jahn, bis wann alle Schulen in der Gemeinde mit leistungsfähigen Glasfaseranschlüssen ausgestattet sind.
Die Gemeinde plant nach Angaben von Sieglinde Jahn, pro Jahr jeder Schule einen Klassensatz (28 Stück) an i-Pads zu finanzieren. Die Anschaffung von Active-Panels hänge von den jeweiligen Anforderungen ab. Die Geräte kosten zwischen 5000 und 8000 Euro pro Stück.
Lehrer bilden sich weiter
Ein wichtiger Aspekt ist für Ingo Voss aber auch die Schulung der Lehrkräfte. „Viele bei uns sind um die 50 und unter ganz anderen Voraussetzungen ausgebildet worden. Die Schüler sind da oft wesentlich weiter.“ Digitale Fortbildung für die Lehrer finde aber schulintern längst statt, so Voss. Ein Manko dabei: Für Lehrerzimmer können die Active-Panels nicht beschafft werden, jedenfalls nicht mit Hilfe des Digitalpaktes, das lassen die Förderrichtlinien nicht zu. Hier könnte womöglich die Gemeinde helfen. „Die Digitalisierung ist eine Aufgabe auch für Kreis und Gemeinden“, betonte Marion Daniel. „Da muss jetzt investiert werden!“
Gute Ausstattung lockt
Dass diese Investitionen in mehrfacher Hinsicht ihren Wert haben, machte Sieglinde Jahn auch klar: „Eine gute technische Ausstattung ist ein Kriterium für junge Kollegen – das ist wichtig zur Personalgewinnung.“ In dieser Hinsicht indes hat Ingo Voss keine Probleme: „Wir sind personell sehr gut versorgt.“ An der Oberschule Ganderkesee herrschen für den Schulleiter, der zuvor in Nordenham unterrichtet hat, nach eigenen Angaben „Traumzustände“.
