Ganderkesee - An ihrer Grundschule sind sie jetzt „die Großen“ – nach den Sommerferien werden sie zum zweiten Mal in ihrer Schullaufbahn „die Kleinen“ sein: die Viertklässler der sechs Ganderkeseer Grundschulen. Noch wenige Wochen haben sie und ihre Eltern Zeit, dann muss die Entscheidung für eine weiterführende Schule gefallen sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Entscheidung zugunsten des Gymnasiums Ganderkesee ausfällt, ist hoch: Im Schuljahr 2017/2018 wurden hier 142 Fünftklässler eingeschult, während die Oberschulen Ganderkesee und Bookholzberg 70 und 53 „Neue“ begrüßten. Die Entscheidung darüber, wer welche Schulform besucht, ist den Eltern überlassen, seit 2015 die Schullaufbahnempfehlung abgeschafft wurde.

hilfe, wenn’s mal nicht rund läuft

Trotz Abschaffung der Schullaufbahnempfehlung ist die Übergangsquote des Gymnasiums Ganderkesee laut Schulleiterin Dr. Renate Richter relativ konstant geblieben. Veränderungen bei der Schülerschaft hat sie jedoch über einen längeren Zeitraum beobachtet: So würden vermehrt „schwächere“ Schüler und solche, die sich schlecht organisierten können, unterrichtet.

Die Schule hält mehrere Angebote bereit, um unterschiedliche Begabungen in den einzelnen Fächern auszugleichen und Unterstützung über den Unterricht hinaus zu bieten. In den Jahrgängen fünf bis sieben würden Intensivkurse in den Langfächern angeboten, so Renate Richter.

Seit mehreren Jahren läuft das Projekt „Schüler helfen Schülern“: Ältere Schüler helfen dabei jüngeren, indem sie Lernstoff noch einmal erklären oder sie bei den Hausaufgaben unterstützen. Entwickelt hat das Gymnasium das Konzept mit dem Rotary-Club Ganderkesee und dem Inner-Wheel-Club Wildeshausen. Koordiniert werden die „Lerntandems“ durch die Schule.

Rund 130 Viertklässler und ihre Eltern haben am Donnerstagnachmittag den Schnuppertag des Gymnasiums Ganderkesee genutzt, um sich ein Bild von der Schule zu machen. Willkommen geheißen wurden sie von 23 Schülern der Jahrgänge 9 und 10, die als „Lotsen“ durchs Gebäude führten und die Kleingruppen zum Schnupperunterricht in Chemie, Französisch, Latein und Geschichte begleiteten. Musikalisch stimmte die Klasse 5 m unter der Leitung von Jantje Kessens mit „Move it“ die Gäste auf den durchaus bewegten Nachmittag ein, an dem es für die Kinder von einem Unterrichtsraum zum nächsten ging.

Elf Lehrkräfte standen als Ansprechpartner bereit – darunter neben Schulleiterin Dr. Renate Richter auch Ulf Langheim, Obmann für die pädagogische Betreuung des fünften und sechsten Jahrgangs, sowie die Koordinatorin der Sekundarstufe I, Renate Kreye-Grundmann. Beim Schnuppertag gelte es vor allem Unsicherheiten auszuräumen – sowohl bei den Kindern als auch bei ihren Eltern, wie Langheim betonte.

Während sich die Kinder eher um die räumlichen Dimensionen der neuen Schule und das Miteinander mit den deutlich älteren Schülern Gedanken machten, würden die Eltern oft Fragen wie die Schulbusbeförderung umtreiben. „Viele Eltern sind überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass es bei uns keine Gewalt gibt“, nennt Richter einen weiteren Aspekt.

Eine Frage, die vor dem Wechsel an die große Schule beide gleichermaßen beschäftigt: Wer kommt mit wem in eine Klasse? – Ohne ein bekanntes Gesicht neben sich muss niemand auskommen, das könne er garantieren, so Langheim. Jeder Schüler darf und soll bei der Anmeldung zwei Mitschüler-Wünsche angeben, von denen einer sicher erfüllt wird.

Wie viele Fünftklässler das Gymnasium ab Sommer tatsächlich besuchen, steht erst nach der Anmeldephase in der zweiten Mai-Woche fest. Auch die Oberschulen haben sich den angehenden Fünftklässlern bereits vorgestellt.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee