GANDERKESEE - Es ist fast 62 Jahre her, dennoch erinnert sich der Ganderkeseer Werner Fleischer noch immer genau an seine Einschulung. Vor allem an die schulärztliche Untersuchung. „Das war eine militärische Abfertigung“, erzählte er am Dienstag bei der Versammlung der Senioren Union im Oldenburger Hof.
Alte Zeugnisse
„Wie war das damals? Schule in Ganderkesee im Zeitraum von 1948 bis 1958“ lautete das Thema. Und Fleischer, der den Vortrag dazu hielt, konnte zahlreiche Anekdoten aus seiner Schulzeit berichten. Er zeigte auch sein altes Zeugnisheft und Bilder der ersten Klassenausflüge. Die gingen nicht ins Ausland, sondern führten nach Lemwerder und auf den Schlutterberg.
Ob Kaulquappen oder Motoren, immer sei der Unterricht sehr anschaulich gewesen. „Ein Mal stellte unser Lehrer Hans Grundmann sein Motorrad auf den Tisch und startete es, um uns die Funktionsweise eines Motors zu erklären“, erinnert sich Fleischer. Und auch die Zuhörer hatten eigene Anekdoten beizutragen und schwelgten in Erinnerungen.
Biologie, Physik, Chemie – diese Fächer gab es damals noch nicht. Aber aus dem Naturkundeunterricht griffen die Schüler gerne Themen auf: „Als wir den Werdegang des Frosches durchnahmen, wollten wir das auch in echt erleben“, so Fleischer. Er habe mit Freunden an der Dumbäke Kaulquappen gefangen, um zu erleben, wie sich diese in Frösche verwandeln. Doch die Entwicklung dauerte den Jungen zu lange, die Kaulquappen wurden in einer Regentonne ausgesetzt und vergessen, bis im Sommer die Regentonne von einer Mutter geöffnet wurde und ihr die Frösche entgegensprangen.
Eigene Rakete bauen
„Wir hatten damals einfach nicht so viele Beschäftigungsmöglichkeiten, da hat man das Schulwissen in der Freizeit umgesetzt“, so Fleischer. So auch beim Thema Schießpulver. Die Zusammensetzung kannten Fleischer und seine Freunde aus dem Unterricht. In ihrer Freizeit wollten sie eine Rakete bauen. Das missglückte: „Es war mehr ein Silvesterböller, als eine Rakete“, erinnert sich Fleischer. Die Überreste hätten sich aber bestens als Stinkbombe geeignet und wurden mit in die Schule genommen.
Im Ort Ganderkesee habe es 1948 nur eine Volksschule gegeben, berichtete Fleischer über die damaligen Schulbedingungen. Untergebracht war diese in der sogenannten Steinschule und in der Barackenschule am Habbrügger Weg. Erst Anfang der 50er Jahre kam dann die Schule an der Langen Straße dazu. Und mit ihr ein neues „Fach“: „Sonnabends stand für alle Duschen auf dem Lehrplan“, erinnert sich Fleischer. Das sei sehr fortschrittlich gewesen. Nicht jede Familie habe damals schon ein Badezimmer gehabt.
Multimedial sei der Unterricht auch schon in der Volksschule gewesen, betont Fleischer. Filme wurden damals schon in der Schule gezeigt und es habe die ersten Schulfunksendungen im Rundfunk gegeben.
An seine Lehrer hat Fleischer nur positive Erinnerungen. Ob Englischunterricht in der Freizeit oder Sonntagsausflüge ins Hallenbad nach Bremen. Sie setzten sich auch in ihrer Freizeit für die Schüler ein. Die Volksschule hatte damals einen hohen Stellenwert, fasste Werner Fleischer zusammen.
