GANDERKESEE - Bei der Frage, was er sich zum Jubiläum der Katenkamp-Schule wünscht, brauchte Erwin Drefs nicht lange zu überlegen. Es wäre schön, wenn sich die Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe als separate Einrichtung zu ihrem 50-jährigen Bestehen überlebt hätte, weil bundesweit ein integratives Bildungssystem analog zur neuen UN-Konvention eingeführt worden ist, sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg, der vor 19 Jahren seine Karriere in der gemeinnützigen Organisation als Leiter der Katenkamp-Schule begonnen hat. Die staatlich anerkannte Bildungsstätte für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf in geistiger Entwicklung feierte mit dem Sommerfest am Freitag zugleich ihr 40-jähriges Bestehen – allerdings, wie berichtet, mit zwölfmonatiger Verspätung, weil seinerzeit umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten liefen.
Rasante Entwicklung
In der Einrichtung werden 69 Schülerinnen und Schüler in neun Klassen von speziell ausgebildeten Fachkräften unterrichtet. „Ende der 60er-Jahre ging es zunächst um eine möglichst gute Betreuung von schulpflichtigen jungen Menschen mit geistiger Behinderung“, erinnerte sich Drefs am Freitag an die Anfänge. In den letzten Jahrzehnten habe jedoch eine rasante Entwicklung stattgefunden. An den Universitäten wurden spezielle Lehrstühle für Behindertenpädagogik eingerichtet, für „Förderschulen Geistige Entwicklung“ eigenständige Lehrpläne konzipiert. Sie werden auch von der Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe umgesetzt. Darüber hinaus arbeitet sie auf der Basis der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion.
Bedarf steigt
Ein besonderer Förderschwerpunkt sind Schüler mit Autismus, ein anderer Schüler mit besonders schwerer Behinderung. „Wir gehen nach den Erfahrungen der letzten Jahre von einem weiter steigendem Bedarf aus“, sagte Drefs.
Ganderkesee vorbildlich
Sitzenbleiben ist in der Tagesbildungsstätte nicht möglich. „Es gibt keine speziell definierten Lernziele, die erreicht werden müssen.“ Diese Freiheit sei wichtig, damit die Schülerinnen und Schüler individuell so gefördert werden können, dass sie sich optimal entwickeln.
Ein weiterer Wunsch zum 50-jährigen Bestehen wäre eine große Akzeptanz der Einrichtung bei der Bevölkerung und bei der Gemeinde, unterstrich Drefs. Das sei überhaupt kein Problem, antwortete Schulleiter Reiner Duzat: „Darin ist Ganderkesee geradezu vorbildlich.“
