GANDERKESEE - „Schleppend“ lautet die Antwort von Fachdienstleiter Reiner Heinken auf die Frage, wie das vergünstigte Mittagessen für bedürftige Kinder in den Schulzentren denn laufe. Rund 20 Kinder würden das Angebot derzeit in Anspruch nehmen, das ihnen nach Willen aller Fraktionen im Rat ein warmes Essen am Tag ermöglichen soll. Wie viele Kinder genau in Frage kämen, ist bei der Gemeinde unbekannt. „Wir haben zwar eine Liste der Empfänger von Arbeitslosengeld II“, nicht ersichtlich sei aus dieser aber, welche Schule die Kinder besuchten und ob somit eine Teilnahme am Mittagessen möglich sei.

Seit Beginn des neuen Schuljahres bezuschusst die Gemeinde (wie berichtet) die Mittagsverpflegung bedürftiger Kinder mit einem Euro – allerdings nur auf Antrag. Für das kommende Jahr sind 10 000 Euro im Haushalt vorgesehen, für das laufende immerhin 3500. Offenbar machen aber längst nicht alle Eltern Gebrauch von dem Angebot. Und das liege weniger an Scham, wie Heinken aus Gesprächen weiß. Vielmehr habe man schon mehrmals zu hören bekommen: „Das haben wir gar nicht gewusst.“

„Das ist zu einem großen Teil den Kindern gar nicht mitgeteilt worden“, bestätigt die Mutter eines Hauptschülers gegenüber der NWZ das Informationsdefizit. Sie sieht ganz klar die Schulleitungen in der Pflicht: „Die Schulen wissen doch ganz genau, welche Kinder zu ALG-II-Empfängern gehören.“ Über die Klassenlehrer müsse auf diese Möglichkeit hingewiesen werden. Das hat der Leiter der Hauptschule Ganderkesee, Burkhard Lindner, getan – allerdings erst jetzt. „In der vorigen Gesamtkonferenz habe ich das Thema den Kollegen vorgetragen.“ Auf Elternabenden und Elternsprechtagen nach den Herbstferien soll die Information nun weitergegeben werden.

In der Realschule ist das schon geschehen. Während Lindner zunächst auf Information durch die Gemeinde gesetzt hatte, hatte dessen Kollege Joachim Hüneberg die neue Förderungsmöglichkeit sofort zu Beginn des Schuljahres über die Klassenlehrer verbreiten lassen. „Wir haben die Schulleiter vor den Sommerferien auf die Förderung aufmerksam gemacht, und gebeten, die Information zu streuen“, sieht auch Heinken die Schulen am Ball.

Die Gemeinde will bei dem „heiklen Thema“ (Lindner) stärker die Werbetrommel rühren – über Aushänge in der Mensa. Auch Hüneberg weiß: „Einmal reicht nicht. Die Lehrer werden immer mal wieder auf die Möglichkeit hinweisen – mit entsprechendem Fingerspitzengefühl. Und der nächste Elternabend kommt bestimmt.“

Lindner sieht indes noch andere Probleme: Es müsse nicht nur das Angebot eines vernünftigen und finanzierbaren Essens geben. „Vor allem muss der Wunsch da sein. Da braucht es einen langen Atem.“ Zumal: „Das Ernährungsverhalten der Kinder und Jugendlichen entspricht oft nicht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ Und das gelte nicht nur für bedürftige Kinder.