Ganderkesee - „Haben Sie schon mal Kinder in der Schule so ruhig erlebt?“ Oliver Henneke gibt die Antwort gleich selbst: „Ich nicht!“ Ehrlich begeistert ist der Pädagogik-Trainer, der seit rund zehn Jahren Schülern gewaltfreies Lernen und soziales Verhalten vermittelt, wie die Kinder der Grundschule Lange Straße in Ganderkesee bei seinem jüngsten Projekt mitmachen.
Ein Pilotprojekt
„Ich bin wirklich beeindruckt von der Ernsthaftigkeit, mit der die Kinder sich auf die Übungen einlassen“, sagt Henneke, der mit den Präventionsprojekten „!Respect“ und „Gewaltfrei Lernen“ schon mehrfach an der Langen Straße zu Gast war. Jetzt hat der Vorsitzende des Vereins „!Respect e.V.“, der von der Stiftung der Sparda-Bank Hannover unterstützt wird, ein neues Modul entwickelt, das an der Ganderkeseer Grundschule erstmals ausprobiert wird – ein Pilotprojekt also, das auch Henneke und seinen Mitarbeitern Björn Rudolph und Jan Spicher noch wichtige Erkenntnisse liefern wird.
Diesmal geht es um Achtsamkeit – oder „mindfulness“, wie das bewusste Lenken der Gedanken auf das Hier und Jetzt international genannt wird. Mit den Übungen, die teils auf jahrtausendealten buddhistischen Traditionen basieren, coachen längst auch große Unternehmen ihre Mitarbeiter. Kinder hätten sie aber besonders nötig, so Henneke, weil sie der Reizüberflutung durch Kommunikation und Medien noch recht schutzlos ausgeliefert seien.
So sitzen also am Donnerstagvormittag die Kinder der Klasse 2a in der Aula im großen Kreis und warten auf dass Kommando von Björn Rudolph. Dann atmen alle tief ein, schließen die Augen und verharren unbeweglich und still – drei Minuten lang. In dieser Zeit, das hat Rudolph ihnen vorher gesagt, sollen sie alles Vergangene und Zukünftige ausblenden und sich nur auf ihr gegenwärtiges Denken und Handeln fokussieren.
Konzentriert auf sich
Das gelingt nicht in jedem Fall: „Mir ist es schwergefallen, nicht an meinen Wackelzahn zu denken“, gibt Marlon zu, eine Mitschülerin konnte sich die Vorfreude auf das von der Mutter versprochene Kuscheltier nicht verkneifen. Das ändert aber nichts daran, dass alle Kinder zur Ruhe kommen und sich auf ihre ganz eigenen Gedanken konzentrieren – das gilt es zu erreichen.
Schulleiter René Jonker war „am Anfang etwas skeptisch“, wie er zugibt, hat aber schon am ersten Tag des Projekts erkannt, wie stark sich das Achtsamkeits-Training auch auf das Verhalten im Unterricht auswirkt: „Die Kinder nehmen sich selber wahr, und das hilft auch uns Lehrern bei unserem Kerngeschäft“.
Die Selbstwahrnehmung der Schülerinnen und Schüler ist auch für Lehrerin Astrid Pape-Westermann, die von Anfang an die Projekte von Oliver Henneke an der Grundschule Lange Straße begleitet hat, der entscheidende Punkt: „So erkennen sie früh, was Stress ist und wie man ihn vermeidet.“
Nachhaltige Wirkung
Oliver Henneke freut sich besonders über das „positive Feedback“ der Kinder. Und über das der Lehrer, denn nach den Erfahrungen an der Grundschule Lange Straße, die anschließend in Besprechungen mit seinem Team noch vertieft werden, ist er nicht nur überzeugt, dass das Achtsamkeits-Projekt zum einen nachhaltige Wirkung entfalten wird – und dass es außerdem schnell an weiteren Schulen auf großes Interesse stoßen dürfte.
