Ganderkesee - Seit 2012 haben Anne Möllers und Heide Herbst-Kulf mit ihren (fast) jährlichen Besuchen in Ganderkesee dafür gesorgt, dass ihre Zuhörer beinahe schon selbst zu Experten in Sachen Leseförderung geworden sind. Am Mittwoch gaben die beiden Dozentinnen im Schwimmerheim am Heideweg ihre insgesamt 99. und für die Ganderkeseer Lesepaten letzte Fortbildung.
Die beiden freien Referentinnen aus Hannover, von Haus aus beide Lehrerinnen, hätten den Ehrenamtlichen jede Menge Wissen und Kompetenzen vermittelt, hielt Christa Wachtendorf, die im Rathaus das Freiwilligen-Forum „Mach mit“ koordiniert, fest. So hätten die Expertinnen stets deutlich gemacht, dass ein Kind mit Förderbedarf „aus dem Gleichschritt der Klasse herausgeholt“ und individuell gefördert werden müsse. „Und Sie haben uns klargemacht, dass Kinder die Schulreife erst zwischen dem fünften und achten Lebensjahr erreichen, während sie üblicherweise mit sechs Jahren eingeschult werden“, so Wachtendorf weiter. Dadurch entstehe ein individueller Bedarf an Unterstützung.
Das Thema der jüngsten Lesepaten-Fortbildung, die von den 17 Teilnehmern als ausgesprochen kurzweilig empfunden wurde, lautete: „Mit Wörtern spielen“. Die Referentinnen gaben nützliche Tipps, wie auf spielerische Weise beispielsweise an der Erweiterung des Wortschatzes gearbeitet werden kann.
35 Lesepaten des Freiwilligenforums sind aktuell an Grund- und weiterführenden Schulen im Einsatz. Wann eine individuelle Leseförderung sinnvoll ist, geben die Lehrer vor. Künftig wollen die Freiwilligen noch früher ansetzen: Im Mai werden sie, zusammen mit den Kita-Teams und anderen Ehrenamtlichen, im „Dialogischen Lesen“ geschult, ein Verfahren, das zur Sprachförderung in Kindergärten eingesetzt wird.
Dabei gilt es über visuell ansprechendes Material, etwa Bilderbücher, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und sie zu Erzählenden der Handlung zu machen. „Es hat sich gezeigt, dass sich der Sprachschatz von Kindern in dieser Altersklasse verändert hat“, so Christa Wachtendorf. Es komme vor, dass Kinder mit bestimmten Begriffen keinerlei Vorstellung verknüpfen. „Die können sie später in der Schule auch nicht korrekt schreiben.“
Hat der Bedarf an Leseförderung über die elf Jahre, in denen die Lesepaten jetzt unterwegs sind, zugenommen? – „Nein“, meint Lerntherapeutin und Lesepatin Eltje Fricke. „Es hat zugenommen, dass Kinder nicht mehr lesen. Viele kennen den Genuss des Lesens überhaupt nicht.“ Ziel der Ehrenamtlichen müsse es daher sein, Lust und Freude am Lesen zu wecken und zu fördern.
Bei diesem Ziel werden die Ganderkeseer Lesepaten künftig auf die Unterstützung von Anne Möllers und Heide Herbst-Kulf verzichten müssen. Eine neue Expertin ist laut Christa Wachtendorf jedoch bereits gefunden. Genau wie vor einigen Jahren die beiden Referentinnen aus Hannover, wurde auch sie von der Akademie für Leseförderung empfohlen – und sie ist obendrein ganz in der Nähe tätig: Die Fortbildung im „Dialogischen Lesen“ wird Annika Schmidt, die Leiterin der Delmenhorster Stadtbibliothek, in Ganderkesee halten.
