GANDERKESEE - Ahrens begann seine Arbeit an der Wichern-Schule 1972. Im Jahr 1995 übernahm er die Leitung der Einrichtung.
Von Alexander Schmolke
GANDERKESEE - Hans-Günther Ahrens hatte eigentlich genaue Vorstellungen, als er 1972 erstmals die Förderschule des ev.-luth. Wichernstiftes betrat. Ein Jahr wollte er bleiben, eine Vertretung übernehmen, mal in den Beruf hineinschnuppern. Das hat nicht ganz geklappt: Ahrens verabschiedete sich erst gestern wieder – als Schulleiter und satte 32 Jahre später als geplant. Seine bisherige Stellvertreterin Margit Meyer-Folkerts tritt seine Nachfolge an.Die einstige Vertretungskraft hat eine bewegte Zeit an der Schule hinter sich: Als Fachlehrer für Sport, Technik und Arbeitslehre stieg er 1985 zunächst zum stellvertretenden, 1995 dann zum Schulleiter auf. Nach der Umwandlung der Einrichtung in eine gGmbH wurde er zusätzlich – gemeinsam mit Jörg Emken (kaufmännischer Vorstand des Wichernstiftes) – zum Geschäftsführer der Wichern-Schule ernannt.
Während all der Jahre habe ihm die Arbeit stets Spaß gemacht, betont Ahrens. Dabei ist es alles andere als einfach, an einer Förderschule zu unterrichten. Die Schülerschaft besteht aus Jugendlichen, die von staatlichen Bildungsstätten als „nicht mehr beschulbar“ angesehen werden. Sie sind entweder „verhaltensgestört“ oder „lernbehindert“.
„Da ist es ganz logisch, dass es neben den vielen Hochs auch einige Tiefs gab“, sagt Ahrens. Zu den Tiefs zählte sicherlich das blaue Auge, das ihm ein Schüler ausgerechnet an seinem 50. Geburtstag verpasste; ebenso die Brandstiftung eines Ehemaligen am 13. Januar 1997, bei der Klassen- und Verwaltungsräume zerstört wurden (Schaden: eine Million Euro).
Diese Negativ-Erlebnisse haben Ahrens immer auch ins Privatleben begleitet, räumt er ein. So erklären sich vielleicht auch die Hobbys des scheidenden Schulleiters: Fliegen in einem Ultraleichtflugzeug und Langstrecken laufen. „Bei einem schönen Zehn-Kilometer-Lauf konnte ich mich immer ein wenig von der Arbeit freimachen“, so Ahrens.
Aber selbstverständlich war für den heute 65-Jährigen seine Berufs- keine einzige Leidenszeit: Es habe auch viele Hochs gegeben: „Wenn wir es wieder einmal geschafft haben, einem schwer erziehbaren Jugendlichen den rechten Weg zu weisen, war das immer ein tolles Gefühl“, sagt Ahrens – und fasste diese positiven Erfahrungen bei der gestrigen Verabschiedungsfeier in einer Rede zusammen. Der Text lautete schlicht: „Ich würde den Beruf immer wieder ergreifen und auf jeden Fall an der Wichern-Schule arbeiten wollen.“
rund 60 jugendliche besuchen die Wichern-Schule
