Nordenham - Lehranstalten, deren einziger Selbstzweck die Wissensvermittlung ist, sind pädagogische Auslaufmodelle. Das gilt ebenfalls für Grundschulen in ihrer bisherigen Prägung als Halbtagseinrichtung, Nach dem Motto „Schule ist mehr als Bildung“ sind sich auch die Lehrer und Eltern an den Grundschulen in Abbehausen und Nordenham-Süd darüber einig, dass sie den Kindern mehr bieten und auf Ganztagsbetrieb umstellen wollen. Für die angestrebte Umwandlung der beiden Halbtags- in Ganztagsschulen hat der Jugend- und Bildungsausschuss des Stadtrates jetzt seine Zustimmung gegeben. Damit ist der Weg frei, in den Grundschulen Abbehausen und Süd ab dem Sommer 2016 das neue Konzept umzusetzen. Allerdings gibt es Unterschiede.

Von den neun Grundschulen in Nordenham bieten bereits bereits vier – Einswarden, Friedrich-August-Hütte, Nord und St. Willehad – ein Ganztagsprogramm an. Alle vier sind offene Ganztagsschulen. Das bedeutet, dass die Teilnahme an den Nachmittagsangeboten freiwillig ist. Dieses Modell möchte auch die Grundschule Süd übernehmen, während die Grundschule Abbehausen schon einen Schritt weiter geht und eine teilgebundene Einrichtung werden will.

Die Rektorinnen Gesine Skupin von der Südschule und Evelyn Dannheim-Sausner aus Abbehausen stellten in der Ausschusssitzung ihre Konzepte vor und machten deutlich, dass der Wunsch der Eltern nach Ganztagsangeboten immer mehr zunehme.

Diesen Trend bestätigt Jens Freese, der bei der Stadt Nordenham das Amt für Bildung und Freizeit leitet. Nach seinen Angaben herrscht in Politik und Pädagogik Einigkeit darüber, dass „fünf Stunden Frontalunterricht“ nicht mehr zeitgemäß seien und stattdessen das Bildungsangebot entzerrt werden müsse. Genau das haben die Grundschulen Süd und Abbehausen vor, indem sie neben dem Unterricht vielfältige Betreuungsangebote mit sozialen Komponenten schaffen wollen. Dabei ist auch eine Zusammenarbeit mit Vereinen und anderen außerschulischen Organisationen geplant.

In dem Abbehauser Konzept heißt es: „Wir sehen eine große Chance, durch ein vertieftes ganztägiges Bildungs-, Förder- und Aktionsangebot die Schule zu einem gemeinsamen Lebensraum umzugestalten, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler auch über den Unterricht hinaus identifizieren können.“ Besonders Kinder aus finanziell benachteiligten und bildungsfernen Familien könnten davon profitieren.

Das teilgebundene Konzept in Abbehausen sieht vor, dass an zunächst zwei Tagen in der Woche die Teilnahme an den Nachmittagsangeboten verpflichtend ist. Die Kernzeiten der Schule, an der 118 Kinder gemeldet sind, werden auf 8 bis 16 Uhr ausgedehnt. Hinzu kommt eine Frühbetreuung ab 7 Uhr.

In der Südschule (172 Schüler) ist anfangs ein offener Ganztagsbetrieb an vier Tagen in der Woche auf freiwilliger Bais vorgesehen. Einschließlich Frühbetreuung wird die Zeitspanne von 7 bis 15.30 Uhr abgedeckt.

„Langfristig streben wir eine Umstrukturierung in eine gebundene Ganztagsschule an“, sagt Rektorin Gesine Skupin, „um den Schulalltag der Kinder besser an ihren Lern-Biorhythmus anpassen zu können.“ Bei der „gebundenen“ Form müssen die Kinder an vier Tagen in der Woche an den Nachmittagsangeboten teilnehmen.

Als einziger Ratsherr brachte Dr. Tilman Kaethner (CDU) Bedenken vor. Er ist der Meinung, dass die Selbstbestimmung der Eltern nicht eingeschränkt werden sollte.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)