Garrel - Das Interesse an der Heimatgeschichte in Garrel wächst stetig. Das stellt Günter Buschenlange, Vorsitzender des Heimatvereins Garrel, auch in seinen Bildungswerk-Kursen fest. „Grundlagen der Familienforschung“ erarbeitet der Heimatforscher mit einer fast 20-köpfigen Gruppe in bereits mehreren Treffen.
Sammeln, Auswerten, Dokumentieren – um diesen Dreiklang der Heimatforschung geht es, macht Buschenlange klar. Das Sammeln von Dokumenten oder Bildern bilde den Grundstock der Arbeit. Glück, das weiß der Heimatforscher nur zu genau, gehört jede Menge dazu. Das Glück etwa, Tagebuchaufzeichnungen zu erhalten. Wie die aus dem Jahre 1839, die Johann Heinrich Nienaber im Februar 1839 verfasst hatte. Darin schildert er von einer Krankheit unter seinen Schafen, die auch für die Düngung der Felder notwendig waren.
Das Heimatbüro des Heimatvereins an der Böseler Straße stößt längst an Kapazitätsgrenzen. Die Schränke sind zum Bersten gefüllt, Gegenstände sind sogar schon privat untergebracht. Die Tische genügen kaum den Mitarbeitern als Arbeitsplätze – gerade auch vor dem Hintergrund, dass das Interesse an einer Mitarbeit im Heimatverein deutlich gestiegen ist, wie Heimatvereins-Vorsitzender Günter Buschenlange jüngst im Gespräch mit der NWZ berichtete. Derzeit wird auch mit Hilfe der Politik nach einer neuen Heimat gesucht. Dort könnten dann auch künftig Kurse und Sprechstunden zur Heimatgeschichte angeboten werden, so die Idee von Buschenlange.
An anderer Stelle gibt ein überliefertes Schriftstück einen Einblick in das frühere Garrel, das inmitten „großer Heidfelder“ mit mehreren Tausend Schafen darauf, weit entfernt von anderen Dörfern liegt: „Ohne zwei Stunden kann man nirgends an ein anderes Dorf ankommen.“ Das ganze Jahr über wird gestrickt, erfährt man und der Boden ist „gar nicht schlecht“, alleine an Dünger dürfe man es nicht fehlen lassen. Bei der Einordnung müsse man immer auch die Zeit mitdenken, in der die Dokumente entstanden seien, sagt Günter Buschenlange.
Dabei können auch mündliche Überlieferungen einen wertvollen Beitrag zur Forschungsarbeit leisten, so Buschenlange, der sich intensiv mit der Geschichte der Garreler Familien auseinandergesetzt hat und dazu mit vielen Älteren gesprochen hatte.
Unverzichtbar in der Familienforschung seien Fotografien – umso mehr, wenn sie auch beschriftet sind. Das Bild des Leichenzuges aus dem Jahr 1918 am Bahnhof in Garrel etwa. Dass der gefallene Soldat Heinrich Dellwisch überhaupt in Garrel seine letzte Ruhestätte fand, ist schon außergewöhnlich, wurden Soldaten des Ersten Weltkriegs doch zumeist an der Front beerdigt. Die Beschriftung verriet immerhin den Namen.
Weiteres Licht ins Dunkel konnte Buschenlange bei der weiteren Recherche in den Archiven bringen. „Wie ein Puzzle“ setzt Buschenlange Teil für Teil zusammen, um das ganze Bild zu erhalten. Standesämter, Kirchenarchive oder Staatsarchive und auch Zeitungsberichte können helfen, Puzzleteile zu finden und an die richtige Stelle zu heben.
Auch das Offizialatsarchiv in Vechta kann Aufschlüsse bringen. Das besuchte die Gruppe jüngst und ließ sich von Archivar Peter Sieve einen Einblick geben. Das nächste Treffen ist im Herbst geplant. Wer mitmachen möchte, sei herzlich willkommen, betont Buschenlange.
