Wildeshausen - „Wir brauchen noch Deko für die Kartoffeln“, ruft Fachlehrerin Christa Evers quer durch die Großküche der Berufsbildenden Schulen an der St.-Peter-Straße. Nebenan ist ihre Kollegin Caecilia Kalkhoff gerade bei der Endkontrolle der in grünen Farben gedeckten Tische. Serviert wird Grünkohl mit Pinkel. Zuständig sind an diesem Mittwoch jedoch nicht nur die Schüler der einjährigen Berufsfachschule Gastronomie, sondern auch ihre sechs polnischen Gäste.

„Denen war die ,Oldenburger Palme’ bislang völlig unbekannt“, schmunzelt Christa Evers, die das Austauschprojekt betreut. Vom 17. bis 30. November sind die sechs Polen, die eine Berufsschule in Kurzetnik besuchen und alle Koch werden wollen, zu Gast im Landkreis Oldenburg. In dieser Zeit besuchen sie nicht nur die BBS, sondern absolvieren auch ein Betriebspraktikum im „Dreimädelhaus“ Kirchseelte, im Hotel „Gut Altona“ bzw. im „Alten Amtshaus“ in Wildeshausen.

Gefördert wird der Austausch durch das EU-Programm „Erasmus+“, das den schönen Titel trägt: „In einer freundlichen Schule werden aus Träumen Ziele.“ Zwecks besserer Verständigung werden die Polen an den ersten vier Tagen von Deutschlehrer Andrzej Rózycki begleitet.

Ihr Heimatort Kurzetnik liegt im Kreis Nowomiejski, dem Partnerkreis des Landkreises Oldenburg. Also lässt es sich auch Landrat Carsten Harings nicht nehmen, an diesem Vormittag die Kochkünste der Gäste zu testen. Mindestens genauso wie Forellen-Häppchen als Amuse-Gueule und Apfelkuchen an Walnusseis als Dessert beeindruckt ihn der freundliche Umgang miteinander. „Diese Kontakte sind die Grundlage der Partnerschaft“, freut er sich.

Sein Dank gilt insbesondere auch den vier Schülern, die die Polen ganz unkompliziert bei sich untergebracht haben. Gleich drei Austauschschüler wohnen bei Jasmin Hülsemeyer in Dünsen. „Die Verständigung klappt mit einer Mischung aus Polnisch, Deutsch und Englisch immer besser und es macht Spaß, gemeinsam etwas zu unternehmen“, sagt sie. An diesem Freitag nimmt sie ihre Gäste zum Beispiel mit zu ihrer Einradtruppe, dem Harpstedter Unicycle-Team.

„Toll“ findet Harings soviel Engagement sowohl seitens der Schüler als auch seitens der Lehrerschaft. Mit dem Kontakt zur Berufsschule habe man jetzt ein viertes Standbein der Partnerschaft mit Nowomiejski. Erstes Standbein sei der Jugendaustausch auf (Fach-)Gymnasiumebene, zweites der Austausch zwischen den Jugendfeuerwehren und dritte Säule ein Zirkustreffen, bei dem der Zirkus „Sternchen“ aus Hatten dieses Jahr erstmals dabei gewesen sei und schon einen Termin für 2015 vereinbart habe.

„Nächstes Jahr gibt es auch an der BBS hoffentlich eine Fortsetzung“, blickt Harings optimistisch in die Zukunft, bevor es endlich ran an den dampfenden Grünkohl geht.