Ganderkesee - „Kinder denken nicht direkt etwas Schlimmes“, sagt Sophia Gerdes von der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Mario Forkel versucht die Pädagogin, die Schüler der 3. und 4. Klassen der Grundschule Dürerstraße auf das Problem des sexuellen Missbrauchs aufmerksam zu machen. „Das ist ein Thema, das in dem Alter mit Mythen behaftet ist, die Kinder kennen es noch nicht wirklich“, erklärt Forkel.

Seit acht Jahren organisiert die Grundschule alle zwei Jahre das Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“. „Die Kinder sollen erfahren, was für Gefahrensituationen es gibt, wie sie da wieder raus kommen und wie sie es vermeiden können, überhaupt in solche Situationen zu kommen“, resümiert Schulleiter Frank von der Aa. Sie sollen lernen, dass nur sie selbst über ihren Körper bestimmen, sonst niemand. Mit dem dreiwöchigen Projekt sollen die Selbstachtung und das Selbstwertgefühl der Kinder bestärkt werden.

Die Theaterstücke, die in drei Aufführungen vorgetragen werden, finden jeweils mittwochs für alle Klassen statt. So fängt es beim ersten Termin harmlos an, am Ende wird aber sogar ein Missbrauchsfall thematisiert. Die Kinder lernen ein Ja- oder Nein-Gefühl zu äußern, wie sie Situationen richtig einschätzen, und wo sie sich Hilfe holen können.

Begleitend werden die Inhalte des Theaterstücks im Sachunterricht mit der Klassenlehrkraft als Vertrauensperson aufgearbeitet. Dies, so von der Aa, „findet im geschützten Rahmen statt“. Farbige Plakate werden gestaltet, damit die Schüler täglich Regeln zu Prävention und Umgang mit problematischen Situationen lernen. Die Kinder würden die Hilfe sehr gut annehmen, denn das Theater vermittele den Inhalt „auf eine besondere Art und Weise, einerseits ernsthaft und andererseits spielerisch“, erklärt der Schulleiter. Schüler seien so für das Thema sensibilisiert und könnten es im Nachhinein konstruktiv verarbeiten.