Ganderkesee - Max projiziert seine Hausaufgaben vom Tablet an die digitale Tafel, Lehrer Meier korrigiert mit einem Stift direkt auf dem Bildschirm, während Lena fehlende Informationen im Internet recherchiert. Bisher ist dieses Szenario in den weiterführenden Schulen in Ganderkesee noch nicht an der Tagesordnung. Vielleicht aber in ein paar Jahren: Der Bund will für die Ausstattung aller 40 000 Schulen in Deutschland mit Computern und W-Lan bis 2021 fünf Milliarden Euro bereitstellen (die NWZ berichtete). Die NWZ  hat an den weiterführenden Schulen in Ganderkesee nachgefragt, was sie von diesem Vorhaben halten.

ObS an der Ellerbäke

„Unterstützung können wir immer gebrauchen“, sagt Jan-Michael Braun, kommissarischer Schulleiter der Oberschule (OBS) an der Ellerbäke. Hier gibt es zwei Computerräume. Darüber hinaus stehen einige Laptops zur Verfügung – „allerdings weniger als ein Klassensatz“, sagt Braun. In einigen Klassenräumen gibt es zudem eine interaktive Tafel, auf die die Lehrer beispielsweise Arbeitsblätter oder auch kleine Filme projizieren. „Wir hoffen, dass wir sukzessive Gelder bekommen, um weitere Klassen damit auszustatten“, sagt Braun.

Der kommissarische Schulleiter begrüßt die angedachte finanzielle Unterstützung, betont aber, dass „digitale Mittel nicht das Allheilmittel“, sondern eine Ergänzung zum klassischen Unterricht seien: „Auch aus einem Buch kann man gute Informationen rausholen.“ Bei der Anschaffung von Geräten müssten viele Fragen geklärt werden, merkt Braun an. So seien beispielsweise viele Geräte schon nach kurzer Zeit nicht mehr aktuell. Im Umgang mit digitalen Medien sei das Kollegium fit, sagt Braun. Gebe es Fragen, stünden vier besonders technikaffine Kollegen zur Verfügung.

Gymnasium

Lehrer Marian Münch, am Gymnasium Ganderkesee für neue Medien zuständig, begrüßt das Vorhaben ebenfalls. Grundsätzlich sei die Schule dank des Landkreises zwar gut ausgestattet, allerdings fehle insbesondere ein verlässliches W-Lan. Bisher gibt es einen Computerraum, ein weiterer ist im Neubau geplant. Wenn sich jeweils zwei Schüler ein Gerät teilen, können drei Klassen mit Laptops arbeiten. Eine achte Klasse ist darüber hinaus komplett mit I-Pads ausgestattet. „Wir testen gerade. Wir sind immer vorsichtig, was Neuanschaffungen angeht, wir kaufen nur, was auch genutzt wird“, sagt Münch. Bisher sei die Schule mit der I-Pad-Klasse zufrieden, ob es sinnvoll ist, alle Schüler mit Tablets auszustatten, lässt Münch offen. „Im Moment kann ich das schwer einschätzen, die ersten Versuche zeigen, dass es sich lohnt, das im Auge zu behalten.“ Auch 13 interaktive Tafeln sind im Einsatz. Langfristig wolle die Schule alle Räume damit ausstatten. Bei neuen Anschaffungen müsse allerdings immer bedacht werden, dass die Geräte möglichst von Lehrern oder Schülern gewartet werden können. Die meisten Kollegen seien zwar technikaffin und es gebe auch Lehrer, die für ihre Kollegen Schulungen anbieten, aber hier wünscht sich Münch weitere Hilfe durch das Land.

OBS Ganderkesee

„Ich denke, das ist eine gute Unterstützung, damit wir aufrüsten können“, freut sich Manfred Gliese, Leiter der OBS Ganderkesee. Da die Technik sich schnell weiterentwickele, müsse allerdings bedacht werden, welche Investitionen sinnvoll seien, gibt auch er zu bedenken. An der OBS Ganderkesee ist eine 16-köpfige Sprachlernklasse mit Laptops ausgestattet. Insgesamt sind drei interaktive Tafeln vorhanden. Auch zwei Computerräume gibt es. Außerdem sei die Schule dabei, alle Unterrichtsräume mit Beamern auszustatten, die über das W-Lan anzusteuern sind. Bis alle Räume aufgerüstet sind, werde es aber noch zwei Jahre dauern, schätzt Gliese. Als fehlend nennt er einen Breitbandanschluss und ein in der gesamten Schule verfügbares W-Lan, an letzterem seien Schulleitung und Gemeinde dran, teilt Gliese mit. Die Vorstellung, dass jeder Schüler ein Tablet für den Unterricht hat, findet Gliese „super, aber unrealistisch“.

Das Kollegium sei in Sachen digitale Medien soweit fit, sagt der Schulleiter. Das Medienkonzept der Schule garantiere, dass ein Teil des Kollegiums Fortbildungen besuche und dann als Multiplikatoren die Kollegen schule.