Dietrichsfeld - Johann Fischer ist zuversichtlich: „Wir werden einen Anbau bekommen“, sagt der Leiter der Grundschule (GS) Dietrichsfeld. Wie berichtet, herrscht große Raumnot in der Schule, die nicht nur von 282 Grundschülern besucht wird, sondern in drei Jahrgangsstufen auch von insgesamt 24 Kindern der (Förder-)Schule an der Kleiststraße. Dieses erfolgreiche Kooperationsmodell besteht seit 2008/2009 und soll auch weitergeführt werden. Im nächsten Schuljahr will man laut Johann Fischer sogar noch eine vierte Kooperationsklasse einrichten.

Doch schon jetzt reicht der Platz nicht aus. Zwei reguläre Grundschulklassen werden bereits in zwei Containern auf dem Schulhof unterrichtet. „Hier ist es ganz schön kalt“, sagen die Kinder der vierten Klasse, die gerade Matheunterricht bei Kirsten Buchholz haben. „Die Luft ist trocken, und manchmal haben wir am Boden Temperaturen von nur zwölf Grad. Zum Glück ist der Winter ja nicht so hart“, sagt die Lehrerin.

Schule und Eltern fordern für die Fortführung der Kooperation eine richtig Lösung – ohne Containerklassen, mit einem Anbau. Doch, wie berichtet, sträubt sich die Stadt bisher.

Unterdessen hat der Kreisverband Oldenburg-Stadt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine Resolution verfasst, in der gefordert wird, den Ausbau der GS Dietrichsfeld in den „Investitionsplan Schulen“ aufzunehmen. In Oldenburg hätten sich (neben dem durch die Landesregierung vorgegebenen Inklusionsbedingungen) andere inklusive Formen entwickelt und etabliert, die es zu unterstützen gelte. Dazu zähle die Kooperation der GS Dietrichsfeld mit den Primarstufenklassen der Schule für Geistige Entwicklung an der Kleiststraße.

Auch die SPD-Ratsfraktion sagt, dass „eine entsprechende bauliche Erweiterung“ als kurzfristiger Handlungsschritt notwendig sei. In einem Antrag bittet die SPD die Stadtverwaltung darum, in der März-Sitzung des Schulausschusses zu dem Konzept „Kooperationsklassen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“ Stellung zu nehmen und auch Vertreter der GS Dietrichsfeld einzuladen.

„Inklusion ist gut, aber man darf keine Scheuklappen aufsetzen“, sagt Schulleiter Johann Fischer. Die Kinder der Schule an der Kleiststraße, die jeden Tag mit ihren Lehrerinnen nach Dietrichsfeld kommen, hätten besondere Bedürfnisse. „Es gibt zum Beispiel Schreikinder. Die müssen immer wieder aus der Gruppe genommen werden. Oder Kinder müssen gewickelt werden“, erklärt Fischer.

Der Unterricht in den Kooperationsklassen teile sich in gemeinsame Anteile (u.a. Sport, Musik aber auch Sachunterricht) und getrennte Anteile (Faktenwissen wie z.B. Grammatik). Im Therapieraum, der idealerweise an den Klassenraum angrenzt, arbeiten Autismus- und Ergotherapeuten, Logopäden und Krankengymnasten mit den Kindern. „Eltern wollen dieses Modell. Es gibt zurzeit an der Kleiststraße zum Beispiel keine erste Klasse. Die Kinder werden in Dietrichsfeld unterrichtet,“ sagt Johann Fischer.

Er ist sich sicher, dass die Schule einen Anbau bekommt. In der Untergruppe der Arbeitsgemeinschaft Inklusion, in der die Schulverwaltung, weitere Schulen und die Universität vertreten sind, habe man die Kooperation in den Fokus genommen und Vorschläge für den Anbau erarbeitet. „Das Papier geht nun in die große Arbeitsgruppe, die ein Papier für den Schulausschuss vorbereitet.“ Mit der Perspektive, einen Anbau zu bekommen, sei man bereit, die Kooperationsklassen weiterzuführen, so Fischer. „Dann akzeptieren wir auch einen weiteren Container als vorübergehende Notlösung.“

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg