Glaßdorf - Schulstandorte gibt es heute in Bösel und in Petersdorf. Das sah vor einigen Jahrzehnten noch ganz anders aus. Da gab es Schulen auch in Hülsberg und in Glaßdorf. Die Glaßdorfer Volksschule wurde vor 50 Jahren im August 1968 aufgelöst.

Bevor in Glaßdorf eine Schule eingerichtet worden war, mussten die Kinder zur katholischen Volksschule nach Bösel. Bis zu fünf Kilometer entfernt, heißt es in der Chronik zum 50-jährigen Bestehen von Glaßdorf (1973). Die Böseler Chronik berichtet gar von Wegen bis zu zehn Kilometern. Im Winter wie im Sommer mussten die Mädchen und Jungen den Weg zu Fuß hinter sich bringen. Besonders im Winter waren die bei der Gründung von Glaßdorf angelegten Wege oft so zerfahren, dass die Kinder nasse Füße bekamen. „Somit war auch die Gesundheit der Kinder gefährdet“, heißt es in der Dorfchronik. Die Siedler stellten wiederholt Anträge an die Regierung, eine neue Schule in Glaßdorf zu bauen. Ein Grundstück dafür war bereits vorhanden. Allein es fehlte an den nötigen Zuschüssen. Die Gemeinde Bösel zeigte wenig Bereitschaft zu helfen, heißt es in der Bösel-Chronik.

Die Glaßdorfer ließen sich nicht entmutigen und schritten schließlich zur Selbsthilfe. Im Haus von Siedler Grote wurden im Spätsommer 1928 zwei Wohnräume zu einem Klassenraum umgebaut. Bänke und Tische besorgten die Siedler selber. Das Oberschulkollegium erteilte die Genehmigung und am 11. Oktober 1928 wurde erstmals in der Glaßdorfer Schule Unterricht erteilt. Lehrer Ludwig Sieverding aus Brockdorf unterrichtete zunächst 28 Kinder, im Jahr darauf waren es bereits 39. Die Zahl blieb konstant, der Klassenraum war schnell zu klein geworden. Die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen. Letztlich wurde 1932 auf dem 2,9 Hektar großen Schulkolonat mit dem Bau einer einklassigen Schule begonnen. Eingeweiht wurde die neue Schule im Frühjahr 1933.

Eine Lehrerwohnung fehlte aber noch. Und die wollte die Gemeinde nicht auch noch finanzieren. Schon vorsorglich waren beim Bau der Schule mehr Steine beschafft worden. Die sollten aber nach Willen der Gemeinde verkauft werden. Dagegen protestierten die Siedler. Die Schulkommission, bestehend aus den Siedlern Hermann Jöring, Bernhard Ronnebaum und Bernhard Robke fuhr umgehend mit dem Fahrrad nach Oldenburg, um ihrem Unmut darüber dem Ministerium gegenüber Luft zu machen. Noch am gleichen Tag bewilligte der Minister in Glaßdorf einen Zuschuss in Höhe von 6000 Reichsmark. Im Sommer 1933 stand dann auch die Lehrerwohnung.

Als im Jahr 1955 auch ein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege am Schulgebäude errichtet wurde, wurde die Schule mehr und mehr zum Mittelpunkt der Bauerschaft. Die „Schule im Grünen“ wurde geschaffen: Rasenflächen wurden eingesät, Blumenbeete hergerichtet, Tische und Bänke boten die Möglichkeit, Unterricht im Freien durchzuführen.

Für Kinder bot die Schule gerade an Sonntagen, wenn kein Unterricht stattfand, mit seinen Sport- und Spielmöglichkeiten ein beliebtes Ausflugsziel, heißt es in der Böseler Chronik. Ostern 1961 wurden zum letzten Mal Schüler aus der Volksschule in Glaßdorf entlassen. 1965 wurde die Schule noch renoviert und ein moderner Anbau mit Pausenhalle, Mehrzweckraum und Toilettenanlagen errichtet, Schule und Lehrerwohnung erhielten eine Ölheizung. Nur zwei Jahre wurde der Anbau noch schulisch genutzt, dann wurde die Schule Glaßdorf nach 40 Jahren im Sommer 1968 aufgelöst, nachdem die Förderstufe eingerichtet worden war. Die Kinder wurden mit Schulbussen zur Volksschule nach Bösel gebracht.

Auf dem Sportplatz siedelte die Firma Nölken an. Büro- und Aufenthaltsräume wurden in der Schule geschaffen.

„Vielleicht schauen viele etwas wehmütig auf das Leben in der kleinen Dorfschule zurück. Aber die heutige Zeit fordert andere Maßstäbe und stellt größere Anforderungen an den Menschen. Die Zeit des beschaulichen Dorfidylls ist endgültig vorbei“, schreibt der Verfasser des Beitrags in der Chronik „50 Jahre Glaßdorf“.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)