Grabstede - Wenn Finn Müsker morgens in den Kommunalen Kindergarten Grabstede kommt, schart sich schnell eine Gruppe Mädchen und Jungen um ihn. „Die freuen sich wirklich, wenn ich da bin, und wollen mich umarmen“, sagt der 18-Jährige. So beginnt sein Tag im Kindergarten und das ist schon der erste Grund dafür, dass der Bockhorner von Beruf Kindergartenerzieher werden möchte.

Finn Müsker macht gerade eine Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten – dazu sitzt er an drei Tagen in der Woche im Unterricht an der Berufsbildenden Schule in Varel und an zwei Tagen erlebt er im Kindergarten Grabstede die Praxis. Es ist der Alltag zwischen Essen zubereiten, basteln, spielen, Jacken anziehen, rausgehen, trösten, streitschlichten, Jacken wieder ausziehen, turnen und malen. Dazu gehört es, zu sehen, wie ein Kind, das vor einem Jahr noch Hilfe beim Schuhe-Anziehen brauchte, nun selbst eine Schleife binden kann, wie die Kinder lernen, ihre Namen zu schreiben oder mit der Schere etwas auszuschneiden. „Mitzuerleben, wie die Kinder sich entwickeln, ist einfach toll. Und wenn man ihnen dabei geholfen hat, ist man Teil dieser Entwicklung“, sagt Finn Müsker.

Es sind Momente wie diese, die den Beruf so großartig machen: Ein Junge hatte Probleme damit, seine Jacke selbst anzuziehen, Finn Müsker hat ihm einen Trick gezeigt. Man legt die Jacke vor sich auf den Boden, steckt die Arme rein und wirft sie über den Kopf auf den Rücken. „Das hat der Junge dann immer so gemacht, auch zu Hause. Er hat gesagt: Finn hat mir das gezeigt.“

Wie viel einem die Kinder bei der Arbeit als Erzieher zurückgeben, hat Finn Müsker schon vor dem Beginn seiner Ausbildung gewusst. Denn er hat sich nicht Hals über Kopf in den Beruf hineingestürzt. Noch während der Realschulzeit hat er ein dreiwöchiges Praktikum in einer Kinderkrippe in Varel absolviert. „Das hat mir schon wirklich Spaß gemacht“, sagt er.

Nach dem Schulabschluss wollte er aber noch ganz sicher sein, „ob der Beruf auch über längere Zeit Spaß macht“. Also hat der Bockhorner ein Jahr Bundesfreiwilligendienst im Kindergarten Grabstede absolviert.

Der Kommunale Kindergarten in Grabstede bietet jedes Jahr einem jungen Menschen die Möglichkeit, bei einem Bundesfreiwilligendienst in den Beruf des Kindergartenerziehers hineinzuschnuppern und ein Jahr den Alltag in der Einrichtung zu erleben. Um Erzieher zu werden, steht dann eine vierjährige Ausbildung an: zunächst zwei Jahre als Sozialpädagogischer Assistent und danach zwei Jahre als Erzieher.

„Mir ist das hier bisher nie langweilig geworden im Kindergarten“, sagt Finn Müsker. Seine Freunde hätten zwar nachgefragt, ob er das wirklich machen wolle, aber der 18-Jährige ließ sich davon nicht verunsichern.

Kindergartenleiterin Kirsten Janssen ist sicher: „Männliche Erzieher sind eine absolute Bereicherung für den Kindergarten, nicht nur für die Mädchen und Jungen, sondern auch für das Team.“

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales