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Tschernobyl-Kinder Ende einer großen Hilfsaktion

Großenkneten - Fast drei Jahrzehnte gehörte es zu den Sommerferien in der Gemeinde Großenkneten dazu: Kinder aus Weißrussland erholten sich drei bis vier Wochen in der Wildeshauser Geest von den langfristigen Folgen der atomaren Katastrophe in Tschernobyl (Ukraine) im Jahr 1986. Diesen Besuch aus Osteuropa wird es künftig nicht mehr geben, denn nach 28 Jahren hat die Tschernobyl-Initiative Großenkneten ihre Arbeit eingestellt. Das hat Sigrid Nolte mitgeteilt. „Nach den vielen Jahren dieser befriedigenden Arbeit wollen wir nun aufhören.“

Fast von Beginn an hat sich die Frau aus Regente bei der Initiative engagiert. Seit 1996 war sie mit in der Organisation der Aufenthalte tätig, seit 2002 hatte sie die Federführung inne. „Alter und Krankheit haben besonders mich ermüdet. Und leider gibt es keinen Nachfolger, der die organisatorische Arbeit übernimmt“, berichtet die 68-Jährige. Versuche, Nachfolger zu finden, seien gescheitert. Zuletzt sei auch das generelle Interesse nicht mehr wie früher vorhanden gewesen, beobachtete sie. Dabei seien die gesundheitlichen Folgen der atomaren Strahlung noch lange nicht überwunden.

Die Bilanz der Initiative ist beachtlich. „Im Laufe der Jahre haben wir rund 800 Kindern aus Weißrussland Erholung und Spaß geboten“, rechnet Nolte vor. Kinder aus sozialschwachen Familien in Weißrussland hätten sonst keine Möglichkeit gehabt, sich drei bis vier Wochen in gesunder Umgebung zu erholen und ihr Immunsystem zu stärken. „Viele der Mädchen und Jungen haben sich eng an die Gastfamilie angeschlossen und so die Nähe und Fürsorge erfahren, die zuhause oft fehlte“, erzählte Nolte. „Wir haben noch heute Kontakt zu einigen, jetzt erwachsenen Ferienkindern.“

Dr. Dietrich Wolf hatte einst den Anstoß für die Initiative gegeben. Beim ersten Aufenthalt 1992 wurde noch das Blockhaus Ahlhorn als Unterkunft genutzt. Schon im Jahr darauf wurden erstmals Gasteltern gesucht. 1993 hatte Nolte einen neunjährigen Jungen aufgenommen. Bis 2010 zählte sie jedes Jahr zu den Gastgeberinnen.

Breite Unterstützung

„Dankeschön sagen wir allen Gasteltern und den vielen Unterstützern, die diese Ferien ermöglicht haben. Die Eltern der Kinder haben sich wiederholt dafür bedankt“, berichtet sie. Die Großenkneter Initiative war unter dem Dach der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde aktiv. Stets habe es auch die Unterstützung der politischen Gemeinde in Großenkneten gegeben.

Nolte ist insgesamt 13-mal nach Weißrussland gefahren, zuletzt 2015. 2002 war sie das erste Mal dort: „Es war so beeindruckend. Ich habe wochenlang davon geträumt.“ Das Leben auf den Dörfern sei gewesen, als ob die Zeit über Jahrzehnte still gestanden hätte, so rückständig sei es selbst bei grundlegenden Dingen gewesen. Trotz geringer Russischkenntnisse sei die Verständigung letztlich kein Problem gewesen. Für die ältesten und ärmsten Leute wurden schließlich Hilfspakete organisiert, für die es große Dankbarkeit gab.

„Uns ging es um die Kinder, die zuhause sind und um die sich keiner kümmert.“ Dafür hatte die Initiative über eine Organisation in Minsk die Betreuerin vor Ort, die die Situation kannte und um die Hilfsbedürftigkeit wusste. Anfangs waren die Vorbereitungen für den Aufenthalt noch relativ unkompliziert, doch zuletzt nahmen bürokratischer Aufwand und Schwierigkeiten zu. „Wir haben immer alles hingekriegt“, so Nolte über das Überwinden der Hürden und des „vielen Papierkrams“.

Die Aufenthalte der Kinder in Großenkneten und umzu seien stets gut gelaufen. Die Hilfe der Gasteltern und der vielen Unterstützer hätte erst alles ermöglicht. „Auch die sprachlichen Probleme waren nicht so groß. Die Kinder lernen schnell die Begriffe.“

Weiter in Wardenburg

Grundlegend geändert hat sich die Kommunikation. „Früher ging alles per Post und Telefon“, so Nolte, „heute per E-Mail“. Zuletzt sei teilweise schon der Nachwuchs der ersten Tschernobyl-Kinder aus den neunziger Jahren gekommen. Die Kontakte zu den Mädchen und Jungen, heutzutage längst Erwachsene: Nolte empfindet sie als großen persönlichen Gewinn für ihr Leben.   In der Gemeinde Wardenburg besteht weiter eine Tschernoybl-Initiative, die mit dem Konzept wie in Großenkneten arbeitet. Interessierte sind eingeladen, sich an Willi Kayser zu wenden, t   04407/1468.

Ulrich Suttka
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