Cloppenburg - „Wer kurzfristig 200 Millionen Euro für den beitragsfreien Kindergarten ausgeben kann, muss auch genügend Geld für eine qualitative Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kindertagesstätten und die Entlastung der Grundschullehrern bereitstellen.“ Das hat Franz-Josef Meyer, Niedersachsen-Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), beim 22. regionalen Grundschultag am Montag im Kreishaus Cloppenburg von der durch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) vertretenen Landesregierung gefordert. Wege zum Ausgleich sah Meyer „in einer besseren Bezahlung, der Senkung der Regelstundenzahl und einer Anhebung der Anrechnungsstunden für besondere Belastungen“. Er verwahrte sich gegen „eine schleichende Entprofessionalisierung des Lehrerberufs“. Die Tatsache, dass an Grundschulen mittlerweile mehr nichtausgebildetes Personal als Lehrkräfte arbeite, sei ein Unding.
Weiter trat Meyer für eine Gestaltung von Bildung unter einem Dach für Kinder von null bis zehn Jahren ein. Diese könne sich in einer engen Kooperation von Kitas und Grundschule bei gegenseitiger Wertschätzung der geleisteten Arbeit zeigen. Hinzu käme ein regelmäßiger Austausch über pädagogische Konzepte, Fortbildungen oder Hospitationen.
Heiligenstadt, die ein Referat zum Thema „Bildung für Kinder unter einem Dach“ hielt, dankte zunächst den Vertretern aus dem Elementar- und Primaschulbereich für ihren Einsatz in der Flüchtlingsarbeit. Anschließend votierte die Ministerin dafür, Bildungsbiografien vor Brüchen zu bewahren: „Niemand soll auf dem Bildungsweg verloren gehen.“ Für den Übergang von der frühkindlichen Bildung zum Primarbereich kündigte sie „kindgerechte Begleitung“ an. Dabei verwies Heiligenstadt auf einen Modell von Kitas und Grundschulen unter einem Dach sowie sich daraus ergebende Schnittmengen.
Die von einer Verlagsausstellung im Foyer begleitete Fachtagung mit dem Titel „Tschüss Kita! Hallo Schule – Übergänge erfolgreich gestalten!“ besuchten knapp 250 Teilnehmer. Rund 100 von ihnen kamen aus Kindertagesstätten (Kitas) oder von Fachschulen der Kreise Cloppenburg, Vechta und Diepholz. Auf Vorträge wie zum „Übergang von der Kita zur Grundschule im Kontext der Inklusion“ von Prof. Dr. Petra Hanke (Dortmund) folgten Workshops. Dabei ging es etwa um die erfolgreiche Führung von Elterngesprächen oder das Lesen im Übergang von der Kita zur Grundschule. Die gute Resonanz, gerade im vorschulischen Bereich, führte Niels Logemann, Kompetenzzentrum für Lehrerfortbildung der Universität Vechta und Mitorganisator des Fachtages, auf den großen Bedarf an gemeinsamer Fortbildung von Mitarbeitern von Kitas und Grundschulen zurück.
