Berlin - Rollenspiele, Präsentationen, Gruppenübungen – beim Gedanken an ein bevorstehendes Assessment Center (AC) bricht vielen Bewerbern der Schweiß aus. Besonders größere Unternehmen stellen die Job-Anwärter gern mit Auswahl-Seminaren auf die Probe. Doch vielen graust es vor einer solchen Langversion des Vorstellungsgesprächs. Sich selbst möglichst gut zu präsentieren – und das umgeben von Konkurrenten. Vorträge vor Fremden halten, bei der Gruppenarbeit glänzen, selbst in der Pause am Kuchenbuffet vom potenziellen Chef analysiert werden. Wie kann man da überzeugen?
Es gehe im AC nicht nur um die fachliche Qualifikation, sagt die Karriereberaterin Birgit Gerstgrasser aus Bonn. Die werde sowieso vorausgesetzt. Vielmehr wollten Arbeitgeber testen, ob jemand zur Unternehmenskultur und auf die zu vergebene Position passt. So wollen Personaler etwa herausfinden, wie Bewerber arbeiten, wie sie mit Stress umgehen oder wie teamfähig sie sind.
AC dauern meist ein bis drei Tage, erklärt der Karriereberater Walter Feichtner aus München. Der genaue Ablauf sieht bei jedem Unternehmen etwas anders aus.
Timo Göbler überzeugte schon zweimal in einem AC. Er würde jedem empfehlen, nach der Einladung zum AC im Unternehmen anzurufen und nach dem Ablauf zu fragen. So machte er es selbst – danach wusste er etwas konkreter, was ihn erwartete. Danach bereitete er sich gezielt auf typische Aufgaben im AC vor – dazu gehört es etwa, sich selbst vorzustellen. Darüber hinaus informierte er sich sehr gezielt über den potenziellen Arbeitgeber.
Neben guten Kenntnissen über die Firma glänzen Bewerber am besten auch mit detailliertem Wissen über die Branche, rät Feichtner. Das beste Training sei allerdings, ein AC schon einmal miterlebt zu haben.
Aber selbst mit Übung gebe es den klassischen „AC-Durchkommer“ nicht, sagt Gerstgrasser. Sie rät jedem, vor dem Auswahlseminar seine eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren. Keine gute Idee sei es, zu schauspielern und vorzugeben, jemand zu sein, der man nicht ist, empfiehlt Gerstgrasser. Das fliegt im Verlauf der Seminare meist schnell auf.
Ein häufiger Fehler vieler Kandidaten sei falscher Perfektionismus, so Feichtner. Oft testen die Verantwortlichen auch die Bewerber, indem sie diese absichtlich provozieren. Sich darauf einzulassen und zum Beispiel beleidigt zu reagieren, ist ein Fehler. Stattdessen nehmen die Teilnehmer Kritik lieber positiv auf. Gleichzeitig sollten sie aber auch selbstbewusst zum eigenen Ergebnis stehen.
Bewerber sollten sich generell bemühen, natürlich und authentisch zu bleiben, rät AC-Kandidat Timo Göbler.
