Hamburg/München - Teamfähigkeit scheint heute eine Grundvoraussetzung im Beruf zu sein. In nahezu jeder Stellenanzeige wird sie als gewünschte Eigenschaft genannt. Was aber, wenn man lieber für sich allein arbeitet? Hat man dann eine Chance in der modernen Arbeitswelt?
Job entscheidend
Zunächst einmal: „Die Anzeige sollte man nicht so ernst nehmen. Schließlich steht das mit der Teamarbeit überall“, sagt die Wirtschaftspsychologin und Autorin Svenja Hofert. Viel entscheidender sei, wie der Job konkret gestaltet ist.
Hofert, die Geschäftsführerin der Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung in Hamburg ist, empfiehlt, in der Bewerbung und beim Vorstellungsgespräch offen zu sein. Also etwa zu sagen: „Ich bin introvertiert und brauche meinen Bereich. Gleichzeitig bin ich auch jemand, der gern mit anderen arbeitet – aber im Rahmen.“ So etwas sei legitim.
Wer kein Teamplayer ist und dennoch im Job anerkannt werden möchte, sollte aktiv werden. „Es beginnt mit der Selbsterkenntnis“, sagt die Betriebswirtin Dorothea Assig. Sprich: Bin ich ein Einzelgänger, eine Einzelkämpferin? „Die ehrliche Antwort darauf ist fundamental“, ergänzt die Soziologin Dorothee Echter. Denn oft stimmt das Selbstbild nicht mit den tatsächlichen Bedürfnissen überein.
Der nächste Schritt: Sich langsam an die verschiedenen Arten der Zusammenarbeit herantasten. „Die meisten Menschen wissen nicht von Anfang an, welche Art der Nähe, Kooperation oder Distanz sie für ihre Entwicklung brauchen“, sagt Assig. Das gelte es über die Jahre immer wieder auszuprobieren und herauszufinden.
Davon abhängig ist nicht zuletzt, in welchem Job man sich wohlfühlt. Auch die Branche ist entscheidend dafür, ob Teamplayer bevorzugt werden – oder es auch okay ist, wenn sich jemand allein durchkämpft. Einzelgänger findet man heute am ehesten im Bereich Forschung und Entwicklung oder im Finanzwesen, so Assig. Ausgesprochene Einzelgänger-Aufgaben gebe es aber eher selten.
Sympathien gewinnen
Assig ist überzeugt, dass Nähe und Sympathie wichtig sind, um für mehr Verantwortung oder interessantere Aufgaben berufen zu werden. Ohne eine Grundmelodie der Verbundenheit könne die Rolle des Einzelkämpfers zudem leicht in die Rolle des Außenseiters oder Sonderlings abgleiten. Einzelkämpfer müssten daher Formen finden, wie Sympathie entsteht.
Sinnvoll dafür: Sich in der Zusammenarbeit als unkompliziert erweisen und eigene Ergebnisse auch für andere nutzbar machen. Außerdem: Kollegen positiv hervorheben, rät Assig. Auf diese Weise hätten auch Einzelkämpfer eine Chance, in der modernen Berufswelt zu bestehen und sich in ihrem Job nach weiter nach oben zu entwickeln.
