Hamburg/München - Kleine Vierecke auf dem Radar im Auge behalten und sie so steuern, dass sie nicht zusammenstoßen: Klingt erst mal einfach, ist in der Praxis aber ein hochkomplexer Job. Ohne Fluglotsen würde kein Flugzeug sicher abheben oder landen können. Suanne Vaskovic, Fluglotsin in Ausbildung, erzählt über sich und die Deutsche Flugsicherung (DFS).
Der Weg in den Beruf
„Das ist eine etwas kuriose Geschichte. Eigentlich habe ich in Stuttgart Hohenheim Agrarwissenschaften studiert. Außerdem bin ich Falknerin und Jägerin. Mehr oder weniger zufällig bin ich so zur Vogelvergrämung am Flughafen Stuttgart gekommen, die suchten Verstärkung. Im Prinzip geht es in dem Job darum, Vögel, die im Luftraum Gefahren verursachen könnten, zu vertreiben.
Eines Tages haben mich die Lotsen im Tower, also im Flugverkehrskontrollturm auf dem Flughafen, angerufen, weil eine Taube am Tower saß, die einfach nicht wegfliegen wollte. Ich aber fand sehr spannend, was ich da im Tower gesehen habe und bin mit den Fluglotsen ins Gespräch gekommen.
Letztendlich hat dieses Erlebnis dazu geführt, dass ich mich bei der DFS Deutsche Flugsicherung (DFS) beworben habe, und nach dem Eignungstest in das rund dreijährige Ausbildungsprogramm aufgenommen wurde.
Die Motivation
Mit ausschlaggebend war für mich, dass es in diesem Beruf keinen Tag gibt, an dem man das Gleiche erlebt. Außerdem werde ich als Lotsin nach meiner Schicht abgelöst. Ich muss nicht 24/7 an die Arbeit denken. Ich weiß, der Luftraum wird auch nach meinem Dienstschluss immer sicher überwacht.
Was ich mache
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Fluglotsen: Da sind die Tower-Lotsen, die am Flughafen Start- und Landefreigaben erteilen und direkte Sicht auf die Piste haben. Und die Centerlotsen, die in der Kontrollzentrale ihren Luftraum im Blick behalten und die Flugzeuge dahin steuern, wo sie hinmüssen.
Der Luftraum ist in Sektoren aufgeteilt. Jeder Fluglotse und jede Fluglotsin hat einen Sektor, für den er oder sie zuständig ist und kontrolliert die Flugzeuge, die sich darin bewegen, bis sie den nächsten Sektor erreichen.
Die Ausbildung
Wir werden schon vor der Ausbildung eingeteilt, ob wir später im Tower oder im Center arbeiten werden. Bei mir wird es die Kontrollzentrale sein, in der ich mich um den unteren Luftraum kümmere.
An der Akademie der DFS lernen wir zunächst viel Theorie, auch: Im Notfall müssen wir wissen, welche Probleme im Flugzeug auftauchen können und welche Fehlerbehebung wie viel Zeit kostet.
Nach und nach wird die Ausbildung immer praktischer. Wir sitzen zunächst an Simulatoren. Wie schicke ich ein Flugzeug nach links oder rechts, nach oben oder nach unten? Wie bereite ich ein Flugzeug auf den Übergang in den nächsten Sektor vor, hat es seine optimale Höhe und Route erreicht?
Nach und nach werden die simulierten Lufträume und der Flugverkehr immer komplexer, wir nähern uns der Realität an. Die Simulationszeit nimmt zu. Im letzten Teil der Ausbildung gehen wir in das „Training on the Job“. Dort setzen wir unter Aufsicht unser erlerntes Wissen an unserem künftigen Arbeitsplatz im Live-Verkehr um.
Die Herausforderung
Das ist tatsächlich, in kürzester Zeit die Menge an neuem Wissen aufzunehmen. Die Anforderungen an der Akademie und im Beruf sind sehr hoch, auch im Vergleich mit einem Hochschulstudium.
