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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Aufschieberitis geschickt bekämpfen

11.05.2019

Hamburg /Münster „Wenn man beim Lernen so in Instagram vertieft ist, dass man bei Netflix fünf Minuten zurückspulen muss“: Mit solchen Sprüchen teilen Studenten in der Social-Media-App Jodel unter dem Hashtag „prokrastination“ ihr Leid. Ständiges Aufschieben – an der Uni ist das keine Seltenheit. Doch wann wird Prokrastination – so der Fachbegriff für die Arbeitsstörung – eigentlich zum Problem, und wie wirkt man ihr entgegen?

Das fragen sich nicht nur Studierende, sondern auch viele Arbeitnehmer.

Um gar nicht erst in Zeitnot durch Aufschieben zu kommen, lässt sich präventiv einiges tun. Man kann zum Beispiel versuchen, sich selbst auszutricksen: „Studierende können die jeweilige Deadline schon früher in ihren Kalender schreiben“, rät der Autor und Zeitmanagement-Experte Martin Krengel. Eine Abgabe, die zum Ende des Monats fällig ist, notiert man sich für den 15. – und hat so zwei Wochen Puffer. Das ist auch für Arbeitnehmer geeignet.

Auch gemeinsames Lernen und Arbeiten kann helfen. Wer sich regelmäßig mit Kommilitonen trifft und dabei den jeweiligen Fortschritt kontrolliert, kommt gar nicht erst in die Situation, nichts zu tun. „Derjenige, der seine persönlichen Ziele nicht erreicht, gibt dann einen Kaffee für die anderen aus oder ähnliches, um einen kleinen Anreiz zu schaffen“, so Krengel.

Er rät auch: Wer sich gern von Youtube, Netflix und sozialen Medien ablenken lässt, sollte „einfach den Stecker ziehen, das Internet ausschalten und das Handy weglegen“.

Wer das Smartphone trotzdem braucht, kann sich mit Apps behelfen: Das Programm Offtime blockiert beispielsweise störende Benachrichtigungen, die der Nutzer als ablenkend empfindet. Und das Add-on LeechBlock sorgt im Firefox-Browser dafür, dass vom Nutzer selbst eingestellte Seiten über einen definierten Zeitraum nicht besucht werden können.

Eine zusätzliche Lösung für extreme Prokrastinierer: Alle Social-Media-Apps auf dem Handy unter der Woche vom Handy löschen. Ab Montagmorgen ist der Kontakt zur Außenwelt nur noch via Messenger möglich.

Offline gibt es mindestens genauso viele Ablenkungsmöglichkeiten: Wohnung putzen, Wocheneinkauf, Freunde treffen. „Wer einer Aufgabe oder einer Entscheidung aus dem Wege gehen will, findet immer eine andere Beschäftigungsmöglichkeit“, sagt Catrin Grobbin, die an der Uni Hamburg zu Prokrastination forscht. Deshalb sei es wichtig, die eigenen Gründe für das Aufschiebeverhalten herauszufinden und passgenaue Lösungen zu entwickeln. Es brauche die klare Entscheidung für eine Veränderung, einen guten Plan und genügend Zeit, um neue Gewohnheiten zu erarbeiten. Wichtig sind Selbstbelohnungen.

Wichtig ist, dass sich Studierende einen festen Rahmen für ihre Uni-Tätigkeiten schaffen. „Man sollte pro Tag einen genauen Zeitpunkt, eine klare Zeitspanne und einen konkreten Ort festlegen, an dem der nächste Arbeitsschritt getan werden soll“, empfiehlt Julia Haferkamp von der Prokrastinationsambulanz in Münster. Oft nehme man sich in einem Zeitrahmen zu viel vor. Das gilt auch für Arbeitnehmer.

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