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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

„Wollen Islam-Unterricht in Niedersachsen ausbauen“

12.05.2018

  

Frage: Herr Tonne, die religiöse Bindung von Schülern lässt teils dramatisch nach. Ohne Zugehörigkeit fühlen sich mittlerweile fast 183 000 Schülerinnen und Schüler (21,9 Prozent). Hat Religion noch eine Zukunft?
Tonne: Meines Erachtens hat religiöse Bildung eine immense Bedeutung. Gerade in unserer zunehmend heterogenen Gesellschaft ist insbesondere das interkulturelle und interreligiöse Lernen wichtig; und genau das ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des Religionsunterrichts. Religionsunterricht vermittelt, wie Menschen heute in aufgeklärter Weise mit Religion und Glauben leben können. Die Schülerinnen und Schüler erwerben Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit dem christlichen Glauben und mit anderen Religionen. Es geht um Orientierung, nicht um Missionierung!

Seit 2017 Chef im Kultusministerium

Grant Hendrik Tonne (41) ist seit 2017 Kultusminister im Kabinett von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Der SPD-Politiker aus Nienburg ist verheiratet und hat vier Kinder. Sein Jura-Studium absolvierte Tonne in Bremen.

Frage: Zugleich wächst die Zahl derjenigen, die sich für den Werte- und Normen-Unterricht entscheiden, auf Rekordniveau (157 000 oder 19,8 Prozent). Was steckt nach Ihrer Beobachtung dahinter?
Tonne: Kinder und Jugendliche sind auf der Suche. Vielleicht nicht so sehr nach einem Anker, der sie gewissermaßen bindet oder festhält, sondern im Gegenteil: Sie suchen nach Orientierung, sie wollen sich mit den verschiedensten Lebensentwürfen auseinandersetzen und eine Haltung im Leben finden, die ihnen in konkreten Lebenssituationen eine Entscheidung ermöglicht. Es ist übrigens ein großes Missverständnis zu meinen, das Fach Werte und Normen oder der Religionsunterricht vermittelten eindeutige Weisheiten fürs Leben. In beiden Fächern werden die großen Fragen der Menschheit erörtert und Schülerinnen und Schüler zu einer eigenen begründeten Entscheidung herausgefordert. Damit tragen diese beiden Fächer ganz entscheidend zum Bildungsauftrag von Schule bei.
Frage: In Grundschulen haben muslimische Schüler den Katholikenanteil bereits zur Hälfte eingeholt. Wie werden Sie reagieren?
Tonne: Durch den Ausbau des Faches Islamische Religion, das es seit 2013 als ordentliches Unterrichtsfach gibt. Das Fach hat für die Niedersächsische Landesregierung eine große Bedeutung: erstens wegen des generellen Rechts auf religiöse Bildung, das schon unsere Verfassung garantiert. Zweitens weil der islamische Religionsunterricht die Kinder und Jugendlichen anregt, über ihre Religion nachzudenken. Im Koranunterricht der Moscheegemeinden wird ja doch eher das Kennenlernen der Tradition und das Memorieren und Rezitieren praktiziert.
Frage: Aber was ist, wenn die Kinder auf Reibungspunkte zwischen der im Koran beschriebenen Tradition und ihrem eigenen Leben stoßen?
Tonne: Deshalb brauchen wir eben Lehrkräfte, die in dieser Religion beheimatet sind, aber denen gleichzeitig ein religionspädagogisches Repertoire zur Verfügung steht, Probleme zu benennen, zu reflektieren und Kindern eine eigenständige Deutung zu ermöglichen. Ein solcher Unterricht hilft, mit anderen Religionen ins Gespräch zu kommen, weil viele Kinder aus Migrantenfamilien religiöse Begriffe in ihrer Herkunftssprache kennen, aber nicht auf Deutsch. Es gibt oft einen riesigen Aha-Effekt, wenn sie merken, Islam, Christentum und Judentum haben viele Gemeinsamkeiten.
Frage: Am islamischen Religionsunterricht nehmen von rund 65 500 Schülern nur 3500 teil – magere 5 Prozent. Wie wollen Sie diese krasse Unterversorgung ändern?
Tonne: Deshalb muss das Fach an den Schulen ausgebaut werden. Das tun wir seit Jahren. Eines ist mir dabei wichtig zu betonen: Der Islamunterricht an unseren Schulen wird von staatlichen Lehrkräften durchgeführt. Wir haben zurzeit in Niedersachsen rund 35 Lehrkräfte, übrigens mehrheitlich weibliche, an über 60 Schulen, vorwiegend im Primarbereich, aber auch an mehreren Ober-, Real- und Gesamtschulen sowie sechs Gymnasien. Diese Lehrkräfte sind entweder durch ein Erweiterungsstudium, eine zweijährige Weiterbildungsmaßnahme oder durch eine Qualifizierungsmaßnahme an den Studienseminaren qualifiziert worden.
Frage: Aber diese Kräfte reichen nicht!
Tonne: Wir brauchen in der Tat noch mehr qualifizierte Lehrkräfte in diesem Fach. Wir bilden bereits die ersten Referendarinnen und Referendare an der Universität Osnabrück aus, aber wir werden noch ein wenig Geduld brauchen, bis noch mehr Studierende in den Vorbereitungsdienst gehen. Daneben bietet das Land Weiterqualifizierungen für bereits im Schuldienst arbeitende Lehrkräfte an, die muslimischen Glaubens sind und das Fach unterrichten wollen. Insgesamt werben wir sehr für dieses Fach – auch bei potenziellen Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern.
Frage: Eine persönliche Frage: Nehmen ihre Kinder am Religionsunterricht teil?
Tonne: Ja!
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