Hannover/Oldenburg - Versiffte Toiletten, dreckige Fußböden, undichte Fenster: Hunderte Schulgebäude in Deutschland sind marode, häufig werden sie zudem schlecht geputzt. Laut dem KfW-Kommunalpanel 2019, einer hochgerechneten Befragung von Stadtkämmerern, lag der Investitionsrückstand in Bezug auf Schulen bundesweit im vergangenen Jahr bei 42,8 Milliarden Euro. Viele Gebäude stammten aus den 1970er Jahren und seien sanierungsbedürftig, sagt der Kommunalexperte der bundeseigenen Förderbank KfW, Stephan Brand. Auch Herausforderungen wie der Ausbau von Ganztagsschulen machten Investitionen notwendig.
Der reguläre Unterricht ziehe sich oft bis 16 Uhr und länger hin. Gereinigt werden die Sanitärbereiche der Schulen meist jedoch nur einmal am Tag – und das häufig nicht von städtischen Angestellten, sondern von billigen externen Firmen. „Dringend muss hier mehr Geld in die Hand genommen werden“, sagt der Vorsitzende des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth.
Die Bildungsgewerkschaft GEW versucht schon länger, das Thema auf die Agenda zu heben, und hat dazu vor einem Jahr ihre Mitglieder befragt. „Die Lehrkräfte sind sehr unzufrieden mit dem Zustand der Schulgebäude, den räumlichen Möglichkeiten, insbesondere für Ganztagsangebote, und der Hygiene“, sagt die Bundesvorsitzende Marlis Tepe. „Es braucht einen Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen“, fordert die GEW-Chefin. Die 3,5 Milliarden Euro für die Schulsanierung, die der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vorsehe, seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch KfW-Experte Brand plädiert dafür, finanzschwache Kommunen gezielt zu entlasten beziehungsweise zu unterstützen.
Niedersachsens Kultusministerium verweist unterdessen auf die „geteilte Schulträgerschaft“. Das Land stellt und bezahlt die Lehrer und ist für die Inhalte des Unterrichts verantwortlich. Die kommunalen Schulträger sind für die Ausstattung der Schulen zuständig. Dessen unbenommen gebe es ein Schulsanierungsprogramm. Hier stünden für Niedersachsen bis Ende 2022 rund 289 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld sei bereits komplett verplant.
Entspannt sieht die Lage Andreas Jacob, Schulleiter des Gymnasiums Eversten Oldenburg (GEO): „Unsere Sanierungswünsche besprechen wir in guter Tradition mit dem Schulträger, der Stadt Oldenburg, mit der wir eng zusammenarbeiten. Wünsche gibt es immer, besonders was die Umsetzung der Musterraumprogramme der Schulen anbelangt. Wir vertrauen hier auf Baumaßnahmen, die hoffentlich nicht in allzu ferner Zukunft liegen.“
