Hannover - In Niedersachsen fehlen in der Altenpflege bis 2030 zwischen 21 000 und 52 000 Mitarbeiter. Diese Zahl an Stellen müsste in den kommenden Jahren neu besetzt werden, wie eine Prognose des Sozialministeriums ergab, die sich auf den Landespflegebericht 2015 stützt. Weil viele Pflegefachkräfte in Teilzeit arbeiten und schon jetzt eine Lücke besteht, wird eher die größere Anzahl an Nachwuchskräften benötigt. Rund 112 000 Menschen arbeiteten 2013 und damit laut den aktuellsten erhobenen Daten in Niedersachsen in Pflegeberufen. Demgegenüber standen 288 000 pflegebedürftige Menschen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird laut Prognosen steigen. 2030 dürften es landesweit knapp 379 000 sein – ein Plus von gut 30 Prozent.

„Es gibt schon jetzt immer mehr Berichte von Engpässen bei Pflegediensten“, sagt Sandra Mehmecke, Vize-Vorstandsvorsitzende des Errichtungsausschusses der Pflegekammer Niedersachsen. Das bedeute, dass Patienten oder Pflegebedürftige keinen Pflegedienst finden, wenn sie einen brauchen. „In den struktur- und bevölkerungsschwachen Gebieten Niedersachsens ist die Situation deutlich angespannter“, sagt sie. Aber auch in Hannover bekämen Familien manchmal keinen Pflegedienst.

Ein weiteres großes Problem: Viele Nachwuchskräfte brechen ihre Ausbildung ab. Grund ist laut Experten, dass sie häufig als Lückenfüller eingesetzt werden. Dadurch spürten sie das Missverhältnis beim Personalschlüssel schon früh, sagt Johanna Knüppel, Sprecherin Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). „Das ist demotivierend.“ Viele brächen eine Ausbildung schon nach einem halben Jahr ab. Ein Job in der Krankenpflege biete mehr Aufstiegsmöglichkeiten als in der Altenpflege. Krankenpfleger werden auch besser bezahlt. Sie erhalten bis zu 600 Euro brutto mehr pro Monat.