HARPSTEDT - „Geschafft“, stellte Jugendpflegerin Annelen Voß schmunzelnd fest, als letztlich alle 49 französischen Gastschüler einen Platz im Trauzimmer des Harpstedter Amtshofs gefunden hatten, wo sie am Freitag von Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes und Fleckenbürgermeister Werner Richter offiziell bei Limonade und Keksen empfangen wurden. Und „geschafft“ war zu dem Zeitpunkt auch so manche andere Herausforderung angesichts der bislang größten Schülergruppe, die seit Beginn des Schüleraustausches zwischen dem Harpstedter Schulzentrum und dem Collège St. Michel in Loué im Jahr 2001 die Partnergemeinde besucht: Ausreichend Quartiere für die 14- und 15-jährigen Mädchen und Jungen und ihre drei Lehrerinnen mussten gefunden, die Verteilung auf Schulklassen, in denen die Gastschüler am Unterricht teilnehmen, organisiert und ein attraktives Aufenthaltsprogramm entworfen werden. An der Partnerschule in Loué gebe es derzeit „den Trend, dass immer mehr junge Leute Deutsch lernen und kommen wollen“, zeigte sich Französischlehrerin Ingrid Rathje erfreut: Das habe man zu erfüllen versucht – und es habe „toll geklappt“, viele Gasteltern zu finden.
Bereits am Donnerstag waren die jungen Franzosen aus Harpstedts Partnergemeinde angereist. Dabei gab es für viele ein freudiges Wiedersehen, denn im Vorjahr waren 20 Harpstedter Schüler zu Besuch in Loué gewesen. Begleitet werden die Gastschüler während ihres achttägigen Austauschaufenthalts auch diesmal von Lehrerin Sylvie Térouanne, die seit 42 Jahren maßgeblich am Jugendaustausch Harpstedt-Loué beteiligt ist und wieder als Dolmetscherin fungiert. Auch beim Gemeindeempfang übersetzte sie – gemeinsam mit Kollegin Agnes Jeronimo-Hartmann – die beiden Grußworte der Bürgermeister. „Ganz kurz: Willkommen!“, warf Cordes nach kurzer Vorstellung der Samtgemeinde den Franzosen zu, die am Amtshof von einer gehissten Trikolore begrüßt worden waren. Richter erinnerte an die 43-jährige Geschichte der Partnerschaft Harpstedt-Loué und betonte, „es ist ganz wichtig, dass die jungen Leute, dass ihr diesen Weg weitergeht und diese Partnerschaft ausbaut“.
Ganz ähnlich hatte es eine Stunde zuvor bei der offiziellen Begrüßungsfeier in der Haupt- und Realschule geklungen. Schulleiter Wolfgang Bleyer sprach von einer „lebendigen Partnerschaft, von der viele Menschen profitieren“. 6000 Menschen aus Harpstedt und Loué hätten inzwischen die andere Gemeinde besucht: „Die Begegnung über Grenzen hinweg ist wichtiger als die Geldströme.“ Und, so wandte sich der Rektor an die Schüler: „Ihr seid der lebendigste und kräftigste Teil dieses Austausches.“
Und einer mit starker Stimme – das zeigten die Partnergeschwister aus Harpstedt und Loué mit Liedern in der jeweiligen Fremdsprache sowie dem gemeinsam angestimmten Kanon „Bruder Jakob“.
