HARPSTEDT - Zu den weiteren Gesprächen über die etwaige Beantragung einer Gesamtschule im Landkreis Oldenburg reist Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes mit einem klaren Meinungsbild aus der Harpstedter Politik an: Der Schulausschuss der Samtgemeinde sprach sich am Dienstag ohne Gegenstimme dafür aus, in Harpstedt eine Kooperative Gesamtschule (KGS) einzurichten. Die Verwaltung, so hieß es in der Beschlussempfehlung weiter, solle in Abstimmung mit Kreis und Kreisgemeinden prüfen, ob die Errichtung der KGS möglich sei und gegebenenfalls Schritte zur Realisierung einleiten. Nur Marco Roreger (CDU) und Eckhard Philipp (FDP) enthielten sich.
Bedenken kamen von anderer Seite: aus der Lehrerschaft. Von deutlicher Skepsis im Kollegium sprachen Wolfgang Bleyer, Leiter der Haupt- und Realschule, und Konrektorin Eva Heinke. „Die Kollegen rechnen nicht mit der Umsetzung“, so Bleyer; die Skepsis beziehe sich auf die politische Unterstützung und die Schulsituation. Positive Stimmen zu den KGS-Plänen dagegen von Eltern: „Die Elternschaft steht geschlossen dahinter“, sagte Tanja Koutianidis vom Schulelternrat des Schulzentrums; Zustimmung signalisierte auch der Grundschul-Elternrat. Laut Cordes will der Landkreis noch eine Befragung in Schulen und Kindergärten vornehmen.
Anhand der Raumsituation und von Prognosen zur Schülerzahlentwicklung hatte die Verwaltung zuvor die Bedingungen für eine Gesamtschule aufgezeigt. Den Raumbedarf (KGS: 28 Klassen, IGS: 36) zu decken, sei am Schulstandort Harpstedt „ohne zusätzliche Erweiterungsbauten möglich“, so Fachbereichsvertreter Andreas Gralheer. Einbezogen sind dabei Haupt- und Realschule, Delmeschule und als Optionen der Südflügel der Grundschule und das Gebäude des Kreisjugendzeltplatzes. Die Fachraumsituation blieb noch offen. Bei den Schülerzahlen verwies Gralheer auf einen „fast dramatischen Rückgang“ um acht Klassen an der Haupt- und Realschule seit 2002/2003. Aktuelle Prognosen anhand der Grundschüler- und Geburtenzahlen zeigten, „dass die eigenen Schüler aus der Samtgemeinde nicht ausreichen werden“ für eine KGS, an der 108 Schülern pro Jahrgang vorausgesetzt seien: Wechseln 2009 noch 105 Kinder von der Grundschule in die 5. Klasse, werden 2018 nur 56 erwartet.
Herwig Wöbse (CDU) sah die Samtgemeinde in „Handlungszwang“: Er warnte vor einem Schulzentrum, das „irgendwann nur halb voll ist“. Die Bedingungen für die KGS sah er als günstig: Mit Haupt- und Realschule unter einem Dach habe man „praktisch schon eine KGS ohne Gymnasium“, und Platz sei da: „Hier Räume leer stehen zu lassen, ist schwer nachvollziehbar.“ Für die KGS war auch Heinz-Jürgen Greszik (SPD): „Wir müssen darum kämpfen, diesen Schulstandort so gut wie möglich zu stellen.“ Fraktionskollege Jan Finke setzte sich durch mit dem Antrag, schon an diesem Abend ein Votum zugunsten der KGS zu fassen.
