Das Forschungsprojekt läuft seit einem Jahr. Einblicke in die Arbeit bieten sechs Vorträge.
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HARPSTEDT -
Wenigstens 25 Adelsfamilien waren im Spätmittelalter im Gebiet der heutigen Samtgemeinde zu Hause: „Quasi in jedem Dorf lebte einer“, umreißt Prof. Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker (Vechta) eines der bisherigen Ergebnisse des Forschungsprojekts „Bäuerliche Siedlungs- und Geschlechtergeschichte der Samtgemeinde Harpstedt“. Weshalb die Adelsgeschlechter dann um 1500 auf rätselhafte Weise verschwanden – ob womöglich durch Abwanderung oder Verbäuerlichung – sei noch zu erforschen.
Seit nunmehr einem Jahr läuft das Forschungsprojekt unter Leitung Huckers, das auf drei Jahre angelegt ist. Einblicke in die Arbeit der Historiker und ihre bisherigen Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten der Regionalgeschichte soll eine Vortragsreihe bieten, die im kommenden Monat in der Harpstedter „Wasserburg“ startet.
Die interessierte Öffentlichkeit darf dabei neugierig sein auch auf „einiges“ an neuen Einsichten, wie Hucker verrät: „Hunderte Akten“ sowie historische Landkarten konnten zusammengetragen werden, die bis dato kaum bzw. nicht eingesehen wurden. Dazu suchten Hucker sowie die Doktoranden Mareike Hustedt und Herbert Bock, unterstützt von Prof. Karin Holm (Düsseldorf), in Archiven in ganz Norddeutschland. Zudem tauchten auf einzelnen Höfen in der Samtgemeinde alte Akten auf – obschon sich die Befragung der Bevölkerung damit nicht ganz so ergiebig zeigte wie erhofft. Kernbereich der Forschungen ist Hucker zufolge – bedingt durch die gefundenen Dokumente – der Zeitraum ab 1200 bis etwa in die Zeit der Aufklärung hinein: Für die vier Jahrhunderte zuvor liegen Unterlagen spärlicher vor, hier ist man auf Analogien und Ableitungen angewiesen. „Wir sind mittendrin in der Forschungsarbeit“, so Hucker: „Es ist gut voran gegangen.“
Sechs historische Vorträge
sind geplant:
Am 8. April
ist der Auftakt: Prof. Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker widmet sich der Frage: Wie alt ist Harpstedt? „Zwischen 800 und 1200, näher an 800“ taxiert er das „Geburtsjahr“ Harpstedts: In historischen Dokumenten wird 1203 der Priester „Volchardus de Harpenstede“ erwähnt – im Ostbaltikum, fernab des Ortes seines Herkunftsnamens. Für Hucker ist diese Wanderungsbewegung Indiz, dass es die Familie bereits länger gegeben haben dürfte. Eingehen wird der Wissenschaftler aber etwa auch auf das Alter der Kirche sowie die Burg.
Am 28. Mai
geht es auf eine historische Wanderung entlang des „Volcweges“, zu der die Heimatforscher Willi Schreiber und Friedhelm Wessels mitnehmen: Der möglicherweise zentrale Verbindungsweg zwischen Sachsen und Holland stellte zwischen 1000 und 3000 Jahre die Südbegrenzung des Kirchspiels bzw. des Amtes Harpstedt dar.
Am 30. Juni
informiert Doktorand Herbert Bock über „Das Gebiet der heutigen Samtgemeinde im 30-jährigen Krieg“. Er will auf Grundlage der bisherigen Forschungsergebnisse aufzeigen, dass die Samtgemeinde stärker als bislang angenommen vom Kriegsgeschehen betroffen war. Die Annahme, der Oldenburger Graf Anton Günther habe den Krieg von seinem Gebiet ferngehalten, entpuppe sich im Detail für Harpstedt „als Mythos“, so Hucker.
Am 17./18. August
sind Schülerinnen und Schüler angesprochen: Doktorandin Mareike Hustedt und Lehrerin Andrea Tabeling werten im Schulzentrum alte Dokumente über das Schulwesen in der Samtgemeinde aus und recherchieren mit Schülern im Samtgemeindearchiv, um es anschließend öffentlich zu präsentieren.
Am 17. September
erwartet Geschichtsinteressierte ein Tag zum Thema „Probleme landeshistorischer Forschung am Beispiel Harpstedt“. Sieben Fachleute werden Kurzvorträge zu verschiedenen Themen halten und Gelegenheit zum Fragen bieten.
Am 18. November
will Prof. Karin Holm eine systematische Zusammenfassung zur Redeker-Chronik „als Spiegel der Zeitgeschichte in der Samtgemeinde im 17. und 18. Jahrhundert“ vorstellen und anhand einiger exemplarischer Beispiele das Leben in der Samtgemeinde in dieser Zeit erfahrbar machen.