Harpstedt/Landkreis - Leni Hasselberg und Caspar Flohr sprachen da wie aus einem Mund. „Lesen macht Spaß“, finden die beiden Grundschüler. Mit einem Buch könne man in andere Welten abtauchen, schwärmte die zehnjährige Leni, und für Caspar, „bald neun“, hätte kein Videospiel gegen „seinen“ Harry Potter eine Chance. Am Montag zeigten die beiden, dass sie nicht nur gerne lesen, sondern auch gut vorlesen können: Sie sind die Sieger beim Lesewettbewerb des Schulverbundes Huntetal.
17 Dritt- und Viertklässler nahmen an dem Wettbewerb teil – allesamt Sieger bei schulinternen Vergleichen der neun Grundschulen aus den Gemeinden Dötlingen und Großenkneten, der Samtgemeinde Harpstedt und der Stadt Wildeshausen. Der Drittklässler Caspar vertrat die Grundschule Dötlingen, die Viertklässlerin Leni die Grundschule Neerstedt.
Als Austragungsort des Wettbewerbs war in diesem Jahr die Grundschule Harpstedt an der Reihe. Die Pädagoginnen Anja Gillig und Stefanie Voigtländer übernahmen dort das Organisieren.
Die Spielregeln: Alle jungen Teilnehmer hatten einen bekannten und einen unbekannten Text zu lesen. Leni zum Beispiel hatte sich die Kurzgeschichte „Die Niete“ mitgebracht, der Fremdtext für die Viertklässler stammte aus Paul Maars „In einem tiefen, dunklen Wald …“. Je eine Lehrkraft pro teilnehmende Schule wirkte in der Jury mit. Bis zu fünf Punkte konnten für Lesefluss, Aussprache, Betonung, fehlerfreies Lesen, angemessene Lautstärke und Blickkontakt zu den Zuhörern vergeben werden.
Sie sei „schon beeindruckt, wie virtuos gelesen wurde“, bescheinigte Anja Gillig am Ende. Wobei für sie und Stefanie Voigtländer fest steht, dass von Kindern heute „allgemein weniger gelesen wird“, ihnen auch weniger vorgelesen wird.
Die beiden Frauen sind weit davon entfernt, hier einseitig den neuen Medien die Schuld in die Schuhe zu schieben. Vielmehr habe sich die Freizeitgestaltung geändert, erklärte Gillig. „Lesen hat es schwerer, die Konkurrenz ist groß“, ergänzte Voigtländer. Visuelle Medien seien für Kinder natürlich verführerisch.
Allerdings: „Wenn ein Kind das Lesen für sich entdeckt hat, also der Knoten geplatzt ist, dann hat ein Handy nicht mehr die Priorität“, beschrieb Anja Gillig ihre Erfahrung. Da gebe es dann keinen Unterschied mehr zum Leseverhalten von vor 30 Jahren.
