HARPSTEDT - Ein Zeitalter in die Gegenwart zu holen, das für die heutige Jugend weit entfernt scheint – das war Ziel eines Projekttages für einen Teil der Klasse R10a der Realschule Harpstedt. Das Mittelalter stand am Dienstag im Zentrum eines nicht alltäglichen Geschichtsunterrichts: sechs Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Klasse für diesen besonderen Tag ausgelost worden waren, durften teilnehmen und arbeiteten begeistert mit.
Lehrerin für diesen Tag war Mareike Hustedt von der Abteilung für Kulturgeschichte und Vergleichende Landesforschung der Universität Vechta. Hier ist das Forschungsprojekt „Bäuerliche Siedlungs- und Geschlechterhistorie in der Samtgemeinde Harpstedt“ angesiedelt. Erst am vorletzten Wochenende hatte im Rahmen dieses Themenkomplexes ein Studientag mit Vorträgen stattgefunden (dieNWZ
berichtete). „Das war mehr etwas für Erwachsene. Deshalb wollten wir auch einmal Schülern ihre Regionalgeschichte näher bringen“, erklärte Hustedt die Idee zu diesem Projekttag. Die 31-Jährige ist eine der beiden Doktoranden, die die Forschungsergebnisse des Projekts in einer Dissertation verarbeiten.Um die Jugendlichen fürs Thema Mittelalter zu begeistern, hatte sich die angehende Lehrerin praktische Übungen zu verschiedenen Unterthemen ausgedacht. Mit Tintenfass und echter Schreibfeder ausgestattet, versuchte beispielsweise die 15-jährige Jennifer Schriftbilder aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit zu kopieren. „Mit dem Füller geht das besser, das kleckert nicht so“, würdigte die Realschülerin die modernen Schreibgeräte. Dennoch gelang es ihr mit viel Akribie, mit der Kurrentschrift und ihren spitzwinkeligen Buchstaben eine „alte“ Urkunde zu gestalten.
Mit der Heraldik beschäftigte sich Mitschüler Niklas, der sich ein eigenes Familienwappen kreierte. In das Thema Kindheit und Schulbildung las sich die Zehntklässlerin Julia ein, um aus ihrem erlernten Wissen eine fiktive Lebensbiografie eines typischen, im Mittelalter lebenden Mädchens zu verfassen. Bei ihrer Lektüre entdeckte Julia Fakten, die sie nachdenklich stimmten: „Im Mittelalter gab es noch keine Versicherungen; wenn man sich verletzte und nicht mehr arbeiten konnte, musste man betteln gehen.“
Ob ein solcher Projekttag wiederholt wird, vermochte Mareike Hustedt noch nicht zu sagen: „Das war erst einmal so ein Versuchsballon.“
