HARPSTEDT - „Ich glaube, wir müssen eine Zirkusschule machen“, scherzte Harpstedts Grundschulrektor Wolfgang Kunsch angesichts einer „grandiosen Woche“ und Euphorie bei Groß und Klein: strahlende Augen bei den Kindern, zufriedene Gesichter bei den Lehrern, stolze Blicke bei den Eltern. Und dazu am Sonnabend tosender Applaus von vollen Rängen im Zirkuszelt an der Harpstedter Schulstraße: Mit drei Zirkusvorstellungen vor Eltern und Angehörigen verabschiedeten sich rund 400 Schülerinnen und Schüler der Grundschulen Harpstedt und Dünsen von ihrer gemeinsamen Projektwoche mit dem Mitmachzirkus „Eldorado“ aus Lilienthal, die von den Schul-Fördervereinen unterstützt worden war.
Fünf Tage lang hatten die Mädchen und Jungen hinter die Zirkuskulissen geschaut und unter Anleitung der Zirkusfamilie Thiel Nummern als Artisten, Dompteure oder Clowns erarbeitet. „Es ist toll, was die Kinder in sechs Stunden gelernt haben“, sprach Lehrerin Silke Nehmelmann vielen begeisterten Eltern aus der Seele. Aber nicht nur die Zuschauer erfreuten sich am circensischen Treiben: „Für die Kinder war es ein Riesenspaß! Sie waren aus dem Häuschen, die ganze Woche“, berichtete Birgit Schmidt als Mutter. Und für Schulleiter Kunsch stand angesichts „vieler positiver Rückmeldungen“ bereits vor den abschließenden Vorstellungen fest: „Es war ein sehr großer Erfolg!“
Wobei der Auftritt vor Publikum für die Jungartisten freilich der Höhepunkt war. Von Aufregung ließen sie sich im Zirkusrund aber kaum mehr etwas anmerken: Da ließ die Hula-Hoop-Gruppe gekonnt die Reifen kreisen, die Jongleure ihre Teller, die Bodenakrobaten begeisterten mit Hebefiguren und die Voltigierkinder mit Übungen auf dem Pferderücken wie der „Treppe“ zu dritt. Für Lacher sorgten der zahnschmerzgeplagte Clown Manfred sowie Bär Balu, während die Dompteure Ziegen und Lamas zum Knien oder Springen brachten. Fast wie echte Cowboys schwangen andere Kinder das Lasso; wie weit sie es hier bei viel Fleiß noch bringen könnten, zeigte Trainer Thilo Thiel, der ein fünf Meter langes Seil zum Kreisen brachte. Für Staunen im Zirkusrund sorgten aber vor allem auch die jungen Trapezkünstler: Gekonnt, sich nur mit Füßen oder Beinen an den Schaukelseilen haltend, schwebten sie über der Manege. Sogar Kunststücke, bei denen Kinder übereinander in der Schaukel ihre Kunst zeigten, fehlten nicht.
Und wie im richtigen Zirkus wurde jede absolvierte Übung mit einem lauten „Hepp“ und natürlich der Verbeugung komplettiert.
Schon bei der Vorstellung der Klassen 1b, 1d, 2c, 3a, 3d und 4d am Vormittag war das Zirkuszelt mit rund 350 Menschen voll besetzt; über riesigen Zuspruch konnten sich am Nachmittag aber auch die 1a, 2a, 2b, 3b, 4a, 4b sowie anschließend Förderklasse, 1c, 3c, 4c und die Kinder der Grundschule Dünsen freuen.
„Die Kinder haben toll mitgearbeitet“, bescheinigte Nicole Thiel vom Projektwochen-Zirkus „Eldorado“. Seit fünf Jahren arbeitet der Familienbetrieb von Vater Christian Thiel auf diese Weise mit Kindern. „Wir haben selbst zwölf Kinder. Da weiß man: Kinder wollen mitmachen, nicht nur zugucken“, erinnert sich Mutter Karola Thiel an die Entstehung der Idee. Ein Zirkuskonzept, das ankommt.
