Ganderkesee/Bookholzberg - In der dunklen Schulhofecke dealen, auf der Toilette einen Joint rauchen oder vor der nächsten Unterrichtsstunde ein paar Pillen einwerfen – aktuelle Zahlen der Landeskriminalämter und der Innenministerien zeigen, dass das an deutschen Schulen immer häufiger vorkommt: An niedersächsischen Schulen behandelte die Polizei 2015 insgesamt 348 Drogendelikte. Vier Jahre zuvor waren es laut Zahlen des niedersächsischen Innenministeriums noch 286 Rauschgiftdelikte.

An den weiterführenden Schulen in Ganderkesee sind Drogen nach Angaben der Schulleiter hingegen kaum ein Problem.

Gymnasium

Konkrete Fälle von Drogenmissbrauch am Gymnasium sind Leiterin Dr. Renate Richter nicht bekannt. Sollte ein Schüler mit Drogen erwischt werden, will sie hart durchgreifen: „Wichtig ist, dass wir eine Nulltoleranzpolitik betreiben und im Zweifelsfall sofort die Polizei hinzuziehen.“

Drogenmissbrauch werde im Unterricht thematisiert – „allerdings geht es immer um eine Gratwanderung, denn wir möchten ja nicht, dass die Beschäftigung mit der Wirkung von Drogen die Neugierde weckt“, erklärt Richter.

Eine Umfrage in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Sucht des Landkreises hatte laut Richter gezeigt, dass vor allem Alkohol ein Problem sei. „Dabei sind wir als Schule ja aber kaum direkt konfrontiert. Uns ist aber bewusst, dass Jugendliche zum Teil am Wochenende zu viel Alkohol konsumieren“, sagt Richter. Dementsprechend sei Alkoholkonsum nicht nur Thema im Unterricht, sondern auch Teil des Präventionskonzeptes in Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen und der Polizei.

Rauchen verliere nach ihrer Wahrnehmung bei den Jugendlichen an Attraktivität. Aber natürlich gebe es immer wieder Schüler, die das Schulgelände verlassen, um zu rauchen. „Wenn sie erwischt werden, reagieren wir natürlich, wobei es wichtig ist, die Eltern einzubeziehen“, sagt Richter.

Oberschule Ganderkesee

Im vergangenen Jahr habe es keinen Drogenmissbrauchsfall an der Oberschule Ganderkesee gegeben, sagt Leiter Manfred Gliese. In der Vergangenheit seien immer mal wieder einzelne Schüler erwischt worden, die Cannabis geraucht hätten. In solchen Fällen arbeite die Schule mit Polizei und Beratungsstellen zusammen. Es gebe außerdem regelmäßig Präventionsveranstaltungen mit Polizei und Sozialpädagogen.

Rauchen sei eher ein Thema. Gliese teilt aber Dr. Renate Richters Einschätzung: Immer weniger Schüler greifen zum Glimmstängel. Es komme jedoch ab und zu vor, dass Schüler rauchend in den Nebenstraßen stehen: „Das wird entsprechend geahndet und die Eltern werden benachrichtigt.“

Alkohol sei in der Schule ebenfalls kaum ein Problem. Auf dem Schulgelände habe er noch keinen Schüler mit Alkohol erwischt, allerdings sei es schon vorgekommen, dass ein Abschlussschüler nach durchzechter Nacht nicht fit für den Unterricht war und nach Hause geschickt wurde.

Schule an der Ellerbäke

Jan-Michael Braun, kommissarischer Schulleiter der Oberschule an der Ellerbäke, kann sich nur an einen Fall von Drogenmissbrauch erinnern. Vor etwa zwei Jahren habe ein Schüler vor Unterrichtsbeginn einen Joint auf dem Schulgelände geraucht. „Da haben wir die Polizei hinzugezogen, dazu sind wir verpflichtet“, betont er.

Das Alkoholverbot an der Schule werde nach Brauns Einschätzung eingehalten. Und auch er hat beobachtet, dass Rauchen an Attraktivität verliere: „Ich schätze, es sind noch so zehn Schüler insgesamt, früher waren es deutlich mehr. Das ist wohl zu teuer geworden.“

Einmal pro Jahr findet an der Oberschule ein Präventionstag statt, an dem sich alle Klassen mit dem Thema Sucht beschäftigen. „Und natürlich sind Drogen auch in den entsprechenden Unterrichtsfächern ein Thema.“